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Musk tritt bei Twitter-Übernahme auf die Bremse

Elon Musk legt die Übernahme des Nachrichtendienstes offenbar auf Eis. Die Meldung lässt den Twitter-Aktienkurs einbrechen.

(Reuters) Die 44 Mrd. $ schwere Übernahme von Twitter (TWTR 40.17 +1.64%) durch Elon Musk liegt auf Eis. Das teilte der Tesla-Chef seinen mehr als 92 Mio. Twitter-Followern am Freitag überraschend mit. Der 50-Jährige begründete die Unterbrechung des Kaufprozesses mit noch fehlenden Informationen zur Zahl der Spam- und Falschkonten bei dem Kurznachrichtendienst. In einem weiteren Tweet betonte er dann, er wolle weiterhin an dem Kauf festhalten. Die Twitter-Aktie grenzte daraufhin ihre vorbörslichen Verluste von zwischenzeitlich fast 20% auf ein Minus von knapp 10% ein. Für Tesla hingegen ging es rund 5% nach oben.

Twitter war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Musk schrieb, es müsse erst nachgewiesen werden, dass die Spam- und Falschkonten weniger als 5% der 229 Mio. Nutzer ausmachten. Analystin Susannah Streeter von Hargreaves Lansdown (HLl 8.53 -0.44%) sagte, Musks Vorgehen könne auch Teil einer Strategie sein, um den Kaufpreis zu drücken. Das werde einige im Unternehmen «stark frustrieren», wo bereits erste Mitarbeiter vor die Tür gesetzt worden sein sollen. Der US-Konzern hat im Zusammenhang mit der Übernahme durch Musk auf verschiedene Risiken hingewiesen, unter anderem die Frage, in welchem Ausmass Werbetreibende weiterhin auf der Plattform unterwegs sein würden.

Twitter hatte Ende April der Übernahme durch Musk und damit seinem «besten und letzten Angebot» zugestimmt. Musk will das 16 Jahre alte Unternehmen von der Börse nehmen. Insidern zufolge hat dieser bei den Finanzierungsgesprächen mit Banken bereits erklärt, er wolle neue Wege finden, um mit Tweets Geld zu verdienen und die Managergehälter zu kürzen. Zugleich erklärte Musk, er wolle Twitter zu einem Hort der Meinungsfreiheit machen und auch den verbannten früheren US-Präsidenten Donald Trump wieder auf die Plattform lassen. Sollte Musk bei der Twitter-Übernahme letztlich doch eine Kehrtwende vollziehen, muss er eine Strafgebühr in Höhe von 1 Mrd. $ zahlen. Der US-Amerikaner kommt laut Forbes auf ein Vermögen von 265 Mrd. $ und gilt damit als reichster Mann der Welt.