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Muss die Geschichte der Inflation neu geschrieben werden?

Andreas Neinhaus

Ein Teil der generellen Angst, die wir heute gegenüber Inflation hegen, geht zurück auf die Erfahrung mit Hochinflationsphasen. Vor allem die 1970er Jahre sind prägend, als zweistellige Teuerungsraten zu einem echten Einkommensproblem für die breite Bevölkerung wurden. Schuld an der Geldentwertung waren nicht nur die Ölpreisschocks, sondern eine verfehlte Finanz- und Geldpolitik, lehrt die Wirtschaftsgeschichte. Drei amerikanische Wissenschaftler widersprechen dieser allgemein akzeptierten Narrative. Sie schreiben die Epoche der grossen Inflation von 1965 bis 1980 in den USA neu.

So werden die Ereignisse bisher seit Jahrzehnten erzählt: Mitte der 1960er-Jahren beginnt die mit Defiziten finanzierte Konjunkturpolitik an Wirksamkeit zu verlieren. Inflation ist nicht mehr, wie es die Schule der Keynesianer vorhersagt, ein positiver Nebeneffekt, mit dem die Wirtschaft stimuliert wird und Arbeitsplätze geschaffen werden. Vielmehr gerät sie ausser Kontrolle, sie blockiert die Konjunktur und lässt die Arbeitslosigkeit steigen. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?