Meinungen

Mutig? Eher töricht

Der Hype um die jüngsten Börsengänge ist fundamental nicht gerechtfertigt. Er wird ein böses Ende finden. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Thorsten Riedl.

«Milliardenzuflüsse aus der Wagnis­kapitalbranche ermöglichen nun die Umsetzung vieler – auf den ersten Blick abstruser – Ideen.»

Fangfrage: Würde man Ihnen einige Dutzend Milliarden in die Hand drücken – könnten Sie damit ein Unternehmen aufbauen? Etwa eines, um Bildersammlungen im Internet aufzubewahren. Oder online einen Fahrer zu vermitteln an jemanden, der einen sucht. Klingt nicht allzu schwer? Ist es wohl auch nicht. Milliardenzuflüsse aus der Wagniskapitalbranche ermöglichen nun die Umsetzung vieler – auf den ersten Blick abstruser – Ideen. Das schwemmt den Bilderdienst Pinterest oder die Fahrtenvermittler Uber und Lyft an die Börse.

Zunächst einmal: Chapeau! Wagniskapitalgeber wie auch Investoren, die an den Börsengängen teilhaben, beweisen einigen Mut, indem sie solche Ideen mit ihrem Geld unterstützen. Das ist nicht selbstverständlich, vor allem nicht in Europa, wo jeder Geistesblitz dreimal geprüft wird – und dann doch verworfen.

Die anstehenden Publikumsöffnungen können aber auch ein Warnsignal sein. Das Gros der Börsenkandidaten verdient heute kein Geld – und auf absehbare Zeit nicht. Oft wird darauf verwiesen, die Gefahr sei gross, ein neues Apple (AAPL 383.68 0.25%), Facebook (FB 245.07 0.23%) oder Google in den Startlöchern zu verpassen. Doch diese nun zu Tech-Giganten gereiften Unternehmen hatten seinerzeit ein valides und profitables Geschäftsmodell, vor dem Börsenstart.

Das zu erwartende Kurs-Umsatz-Verhältnis der Börsenneulinge ist gar höher als in der Dotcom-Ära. Wer das nicht bedenkt, ist mutig – oder töricht. Beides wird mitunter böse abgestraft an den Märkten. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie viel von der aktuellen Euphorie bleibt.