Leben wie Gott in Frankreich – demokratisiert heisst das hier augenfällig: jedem Spiesser sein Chambord. Die grosszügige aristokratische Einzelanfertigung an der Loire ist diesem Disneyland-Suburb-Alptraum jedoch zweifelsfrei vorzuziehen; «Kitsch» wäre dafür geradezu ein unverdientes Adelsprädikat. Noch ein Glück, dass diese Eigenheim-Klon-Formation in Burj Al Babas, auf halbem Weg zwischen Istanbul und Ankara, unbewohnt ist – und vielleicht auch bleiben wird. Die über siebenhundert nahezu identischen Villen, hingeklatscht für finanziell Mittelständische und geschmacklich Bedürftige, stehen leer. Die Häuslebauer-Unternehmer, die pro Liegenschaft 400‘000 bis 500‘000 $ sehen wollten, hat im vergangenen November die gerechte Strafe ereilt: Konkurs. Etwa die Hälfte der Hütten, Stilrichtung schätzungsweise «Später Lego», sind zwar verkauft – meist an visuell genügsame Zeitgenossen vom Persischen Golf, denen für «My Home is my Castle» halt so manches recht ist –, doch reicht dies offenbar nicht, um die Makler zahlungsfähig zu halten. Gleich nebenan liegt übrigens das malerisch-altehrwürdige Städtchen Mudurnu, das auf der Vorschlagsliste des Unesco-Weltkulturerbes figuriert. Früher war alles besser – manchmal schon. (Bild: Adem Altan/AFP)