Unternehmen / Schweiz

Nachhaltigkeitsanlagen bewähren sich – «Gutes Benehmen» als Chance verstehen

Schlechtes Verhalten wird bestraft – im Strassenverkehr, in der Schulklasse und zumeist auch in der Arbeitswelt. Doch gilt auch, dass gutes Verhalten und der damit verbundene Aufwand belohnt werden
Im Bereich der Kapitalanlage versucht der Nachhaltigkeitsansatz, Wertpapiere von Unternehmen mit besonders gutem Benehmen zu selektionieren. Die Performance von Reputation ist allerdings nicht leicht messbar.
Wie sich Aktien von Unternehmen entwickeln, die durch negative Schlagzeilen auffallen, versuchte der ETH-Student Julian Kölbel zu messen. Er stellte in seiner Dissertation Portfolios mit den Aktien häufig kritisierter Unternehmen Vergleichsportefeuilles gegenüber, die zufällig gebildet wurden. Die Valoren kontrovers beurteilter Gesellschaften brachten während des gut zweijährigen Untersuchungszeitraums in der Durchschnittsbetrachtung teils deutlich weniger Performance.

Triebfeder für Innovation

Kölbel basierte seine Analysen auf Daten des Zürcher Finanzdienstleisters Ecofact, der öffentlich zugängliche Meldungen zum Umwelt- und Sozialverhalten von weltweit mehr als 5000 Unternehmen sammelt und auswertet. Die beobachteten Vorwürfe von beispielsweise ineffizientem Rohstoffverbrauch oder Umweltverschmutzung sowie die Kritik von Anstellungsbedingungen oder Arbeitnehmerschutzbestimmungen werden in der Risikokennzahl Reprisk darstellt. Nutzer können sich über das Internet einfachen Zugang zu diesen Daten verschaffen und sie in den Anlageentscheid einbeziehen.
In der Unternehmenswelt wird dem öffentlichen Verhalten (CSR, Corporate Social Responsibility) unterschiedliche Beachtung gewidmet. Vermehrt setzt sich auf Stufe Verwaltungsrat und Geschäftsleitung die Erkenntnis durch, dass ein tadelloses Benehmen zwar anstrengend ist – also Kosten verursacht –, aber auch zur Distanzierung von Konkurrenten taugt.
Mit Kinderarbeit, Lohndumping oder unkontrollierter Umweltbelastung will gewiss kein verantwortlicher Unternehmensführer in Verbindung gebracht werden. Doch (im Wortsinn) vorausschauende Manager nutzen die Thematik der Verantwortung gegenüber der breiteren Öffentlichkeit gar, um neue Geschäftschancen zu packen. Richtig eingesetzt, wird Corporate Social Responsibility zur Triebfeder für die Innovation von Produkten, Dienstleistungen und Marketing.
Beispiele dafür, dass kommerzielle Ziele und Nachhaltigkeitsbestrebungen parallel laufen können, sind leicht zu finden. Zu einer Zielübereinstimmung kommt es, wenn Unternehmen aus dem Energiesektor eine möglichst umfängliche Ausschöpfung traditioneller Quellen – etwa von Öl- und Gasfeldern – anstreben und gleichzeitig erneuerbare Energieformen fördern. Oder wenn Finanzinstitute in Ergänzung zu den angestammten Tätigkeitsfeldern bereit sind, in weniger entwickelten Weltgegenden den dortigen Bedürfnissen angepasste Angebote zu lancieren (Mikrokredite, Mikroversicherungen).

Kompromiss akzeptieren

Aus Anlegersicht mag die Berücksichtigung extrafinanzieller Aspekte in einen Zielkonflikt münden. Wer höhere Werte im Umwelt- und Sozialbereich wolle, müsse «auf den maximal möglichen finanziellen Ertrag verzichten», fordern die Analysten der Privatbank Pictet in einer Studie zum Thema SRI Socially Responsible Investments. Die Investoren sollen zusammen mit den beigezogenen Vermögensverwaltern zu einem Kompromiss zwischen den verschiedenen Renditedimensionen bereit sein.
Portfolios, die gemäss den Grundsätzen der Nachhaltigkeit (Sustainability) zusammengestellt sind, können durchaus mit dem Gesamtmarkt Schritt halten. Beispielhaft sei auf die von der SAM Group verwaltete Beteiligungsgesellschaft Sustainable Performance Group und den Anlagefonds Raiffeisen Futura Global Stock verwiesen, der neben den üblichen finanzanalytischen Auswertungen auf die Nachhaltigkeitskriterien von Inrate setzt. Beide Anlagegefässe investieren global und über eine Mehrzahl von Branchen. Ihr gutes Abschneiden gegenüber dem MSCI-Weltaktienindex deutet an, dass die Performance von Reputation stimmt.

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