Hunderte von Frachtern passieren täglich die Strasse von Malakka. Die Meerenge zwischen der indonesischen Insel Sumatra und der malaiischen Halbinsel ist ein Nadelöhr des Überseehandels; an ihrer schmalsten schiffbaren Stelle ist sie nur gut zwei Kilometer breit. Über diesen Wasserweg versorgt sich China mit Öl und ein grosser Teil des chinesischen Exports tuckert via Malakka gen Westen. Singapur kontrolliert die Südzufahrt, Indien diejenige im Norden – für China Grund zur Sorge: Sollten die chronischen Scharmützel der beiden Milliardenvölker im Himalaja eskalieren, könnte Indien, sonst militärisch unterlegen, versucht sein, die Strasse zu blockieren; Schiffe von und nach China müssten lange und teure Umwegrouten wählen. Kein Wunder, dass China andere Passagen erschliesst, so über Land vom pakistanischen Hafen Gwadar aus oder künftig, wenn das Eis schmilzt, durch die Arktische See; kein Wunder auch, dass Peking die in Bangkok kursierende Idee mag, durch den Isthmus im ­Süden Thailands einen Kanal zu baggern. Das immer wieder kurz erwogene, aber stets schubladisierte Vorhaben würde die Schwachstelle etwas beheben. Und: Die Fahrtdauer vom Persischen Golf nach China wäre zwei Tage kürzer.
(Bild: Patrick Landmann/Keystone)