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Narben am Arbeitsmarkt

Andreas Neinhaus

Als die Wirtschaft vergangenes Jahr durch die Lockdown-Massnahmen teilweise lahmgelegt wurde, gingen die Staaten unterschiedlich vor. Die USA und Kanada liessen vor allem die Marktkräfte spielen. Viele Menschen verloren ihre Stelle. Die Arbeitslosenrate sprang drastisch nach oben.

In Europa wurden die Regierungen dagegen umgehend aktiv. Sie bewilligten Kurzarbeitsgelder, verhängten Entlassungsverbote und mehr. Die Arbeitslosenrate stieg deshalb deutlich weniger als jenseits des Atlantiks. Auch in Japan wurde die unmittelbare Gefahr von Stellenverlusten durch Arbeitsmarktmassnahmen gedämpft.

Unterbeschäftigung trotz Boom

Die gegensätzliche Ausgangslage prägt nun die Erholung an den Arbeitsmärkten. In Europa ist sie auf gutem Weg. In Deutschland spekulieren Konjunkturforscher bereits darüber, dass die Rückkehr zu Vollbeschäftigung unmittelbar bevorstehe. In den USA dagegen hat sich die Situation weit weniger verbessert, als die Wirtschaftslage nahelegt. Die Beschäftigung liegt immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau, während das Bruttoinlandprodukt bereits darüber hinausgewachsen ist. 

5 Mio. Beschäftigte seien aus dem US-Arbeitsmarkt ausgeschieden, rechnen Konjunkturbeobachter vor. Eine der Ursachen: Viele Doppelverdienerhaushalte scheinen sich vorerst dafür entschieden zu haben, dass ein Elternteil zu Hause bleibt resp. das Arbeitspensum reduziert und beispielsweise auf die Kinder aufpasst, sodass auch die Ausgaben für Kinderbetreuung eingespart werden.

Natürlich gilt das nur für diejenigen, die sich das leisten können. Aber dank Aktienkursgewinnen verfügen viele über ein dickeres finanzielles Polster. Das Wertschriftenhaus TS Lombard schätzt, dass sich das Nettovermögen von Akademikerhaushalten in den USA zwischen dem vierten Quartal 2019, also vor der Coronakrise, und dem zweiten Quartal 2021 um 23% erhöht hat. Selbst Privathaushalte ohne höhere Schuldbildung – und mit tendenziell schlechteren Jobs – stehen finanziell besser da.

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