Märkte / Immobilien

Mehr Banknoten nachgefragt wegen Negativzinsen

Monatliche Zinskurve Schweiz: Die Kredit- und Hypothekenzinsen steigen, weil Absicherung und Refinanzierung teurer werden.

Maxime Botteron, Credit Suisse

Die Einführung negativer Zinsen durch die Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 5'680.00 +1.43%))  war nicht ohne Risiko, zumal es bisher kaum Erfahrung gab. Seit Anfang des Jahres sind Nebeneffekte negativer Zinsen ersichtlich. So ist ein unüblicher Anstieg der Nachfrage nach Banknoten festzustellen – vor allem nach 1000er-Noten.

Bargeld, auf dem kein Zins bezahlt werden muss, ist durch den Entscheid der SNB attraktiver geworden als Geld auf dem Konto, welches (potenziell oder tatsächlich) negativ verzinst wird. Zwar ist Bargeldhaltung nicht ohne Risiko und Kosten. Doch ist es sehr schwierig, diese Kosten genau abzuschätzen.

Die Bargeldhortung ist aus Sicht der SNB aus zwei Gründen unerwünscht: Erstens erlaubt sie die Umgehung der Negativzinsen und bietet ausländischen Investoren eine Alternative, dennoch in Franken anzulegen. Zweitens kann eine massive Umwandlung von Kundeneinlagen in Bargeld die Stabilität des Finanzsystems bedrohen. Schliesslich werden durch Einlagen Kredite finanziert, und ohne Einlagen können die Kredite auch nicht mehr (re-)finanziert werden. Die bisherige Zunahme der Bargeldhortung ist noch zu gering, um die Stabilität des Finanzsystems zu gefährden.

Auf den ersten Blick eher kontraintuitiv steigen die meisten Zinssätze für Kredite und neue Hypotheken – trotz der Negativzinsen der SNB. Der Anstieg lässt sich dadurch erklären, dass die Finanzierungskosten der Banken – relativ gesehen – gestiegen sind. Zum einen haben die Banken die negativen Zinsen nicht auf alle Kundeneinlagen überwälzt. Vor allem die Einlagen der Retail-Kunden wurden bisher verschont. Zum anderen sind die Absicherungskosten gestiegen. Grundsätzlich finanzieren Banken Hypotheken über Kundeneinlagen. Weil Hypotheken meistens zu fixen Zinsen für eine längere Laufzeit abgeschlossen werden, reagieren die Zinseinnahmen der Banken nur wenig auf kurzfristige Veränderungen. Einlagen werden aber variabel verzinst. Sollten die Zinsen steigen, steigt der (variable) Zinsaufwand bei konstanten  Zinseinnahmen.

Gegen dieses Risiko müssen sich die Banken absichern. Mit Zinsswaps tauschen sie variable gegen fixe Zinszahlungen. Kreditgebende Banken geben quasi die fixen Zinseinnahmen aus den Hypothekarkrediten weiter und bekommen dafür variable Zinsen, mit denen sie die Kundeneinlagen vergüten können. Im heutigen Negativzinsumfeld ist nun aber der variable Teil des Swap-Geschäfts negativ (meist ist es der Sechsmonatslibor, von derzeit rund  −0,7%). Das führt dazu, dass kreditgebende Banken gegen die Bezahlung des fixen Satzes einen negativen variablen Zins erhalten – sie bezahlen somit für einen Zinsswap zweimal. Diese Zusatzkosten müssen mit höheren fixen Hypothekenzinsen kompensiert werden. Für die SNB ist dieser Anstieg erwünscht, versucht sie doch schon länger, den Immobilienmarkt abzukühlen.

Das Ausmass der Nebenwirkungen der Negativzinsen ist noch verkraftbar und dürfte die SNB nicht dazu zwingen, ihre Geldpolitik zu ändern. Zudem deutet die moderate Bargeldhortung darauf hin, dass der heutige negative Zinssatz die effektiven Kosten der Bargeldhortung noch nicht erreicht hat. Noch negativere Zinsen sind durchaus denkbar.