Unternehmen / Schweiz

Nebenwerte folgen Haupttrend

Ausserbörsliche Aktien Schweiz: Das negative Kursbild gleicht der Entwicklung der kotierten Titel. 2019 wird anspruchsvoll.

André Spillmann

Die ausserbörslich gehandelten Aktien haben sich 2018 dem Abwärtstrend an den Aktienmärkten nicht entziehen können. Gemessen am Index eKMU-X der Zürcher Kantonalbank (ZKB) betrug der Verlust rund 10%. Die Performance entsprach damit ungefähr der Entwicklung am kotierten Gesamtmarkt, wo der Swiss Performance Index (SPI (SXGE 12071.32 1.45%)) im Jahresverlauf 9% nachgab.

Die Volumen im ausserbörslichen Handel auf der Plattform eKMU-X gingen massiv zurück. Insgesamt wechselten Papiere im Wert von rund 100 Mio. Fr. den Besitzer. 2017 hatte der Gesamtwert noch 180 Mio. betragen.

Für den Einbruch gibt es zwei Ursachen. Die Versandapotheke Zur Rose (ROSE 97.1 1.57%) hat im Herbst 2017 an die SIX gewechselt, womit der Plattform ein wichtiger Umsatzbringer fehlte. Zudem änderte die ZKB die Berechnung der abgewickelten Transaktionen. Seit Ende Juni publiziert sie nur noch die Abschlüsse, die effektiv auf der Plattform eKMU-X abgewickelt wurden. Weiter werden die Indexkomponenten neu zweimal jährlich bestimmt. Der Benchmark stellt so nicht mehr auf ein statisches Aktienuniversum ab und reflektiert das effektive Marktgeschehen besser.

Sieger CKW

Vor allem grosse Gesellschaften lieferten 2018 gegen den Trend eine eindrückliche Performance. Zuoberst standen die Titel des Innerschweizer Stromversorgers CKW, die über 43% gewannen. Ein offensichtlicher Grund für die Kursexplosion fehlt. Die Dividendenrendite von unter 1% ist als Kurstreiber auszuschliessen. Gehandelt wurden 5362 Aktien des mehrheitlich Axpo gehörenden Unternehmens. Das entspricht einem Volumen von 1,2 Mio. Fr.

Ausgezeichnet entwickelten sich die Aktien der Immobiliengesellschaft sitEX Properties (+33,3%). Sie setzte im Sommer das Aktienkapital herab, was Kursverlauf und Handelsvolumen stimulierte. Ebenfalls auf das Podest schafften es die Aktien des Herstellers von Landmaschinen und Spezialfahrzeugen Rapid (+32,6%). Dem Unternehmen gelang der Turnaround, und  es wies für 2017 einen Gewinn von 3 Mio. Fr. aus. Das verlieh den Titeln deutlich Auftrieb. Nach einem Semestergewinn von 3,4 Mio. Fr. ist ein ansprechendes Jahresergebnis 2018 absehbar. Die bereits avisierte Dividende von 50 Fr. ergibt eine Dividendenrendite von 7,7%. Das blieb den Anlegern nicht verborgen und führte zu einem regen Handel mit 127 Abschlüssen im Volumen von 1,7 Mio. Fr.

Knapp hinter dem Podest landeten Precious Woods. Mit über 200 Abschlüssen war das Interesse an den als liquid einzustufenden Werten gross. Der Edelholzverarbeiter erwartet für das abgelaufene Jahr eine Umsatzsteigerung von 5 bis 8%. Ernte- und Produktionsvolumen sollen steigen und das Finanzergebnis positiv beeinflussen.

Mehr als ansprechend hielten sich die Aktien der Schilthornbahn (Schilthornbahn 1975 2.33%) (+29,3%). Im Herbst hatte das Unternehmen erneut Rekordzahlen für die Sommersaison publiziert.  Aus 46 Transaktionen ergab sich ein Umsatz von 405 700 Fr. oder fast das Dreifache des Handelsvolumens von 2017.

Solide Kursgewinne verzeichneten auch die Titel von Schweizer Zucker (Zucker 0.1266 -0.71%) (+24%). Der Kursanstieg dürfte am hohen Substanzwert der Valoren liegen, obwohl  dieser den Aktionären zuletzt wenig einbrachte. Seit einiger Zeit müssen sie auf eine Dividende verzichten. Operativ  durchlief das Unternehmen ein schwieriges Jahr. Die Produktionsmenge sank wegen des trockenen Sommers und starken Schädlingsbefalls auf rund 195 000 Tonnen. Weiter fällt auf, dass die Kursgewinne in einem dünnen Handel zustandekamen, sank doch die Zahl der Abschlüsse im Vergleich zum Vorjahr von 424 auf 104.

Verlierer Conzzeta

Auf der Verliererseite standen die B-Aktien von Conzzeta (CON 867 0.12%) mit einem Minus von 20,2% zuoberst. Sie entwickelten sich ähnlich schwach wie die an der SIX Swiss Exchange gelisteten A-Aktien des Konglomerats. Conzzeta erwägt einen Verkauf des Geschäftsbereichs Glasbearbeitung, um die Komplexität zu reduzieren und das Portfolio zu straffen.

Gegen dem allgemein positiven Trend der nicht kotierten Energieaktien verloren die Papiere des EW Jona-Rapperswil um mehr als 18%, dies bei einem auffallend hohen Handelsvolumen von 2,1 Mio. Fr. Im Mai gab die Gesellschaft bekannt, dass der Jahresgewinn unter den Vorjahreswert zu liegen kommen werde, weil eine bisher mit Strom belieferte Fabrik schloss. Bereits 2017 war der Jahresgewinn um 11% auf 3,63 Mio. Fr. gefallen. Um die Aktionäre bei der Stange zu halten, wurde eine unveränderte Dividende von 200 Fr. je Aktie ausgeschüttet. Daraus errechnete sich eine Dividendenrendite von 3,6%.

Unter Druck standen auch die Aktien der Zürichsee Fähre Horgen–Meilen und die Namenaktien des Maschinenherstellers Reishauer. Beide verzeichneten zweistellige Kurseinbussen. Die Papiere des Busbetreibers und Nutzfahrzeugdienstleisters Auto AG mussten nach einem starken Kursanstieg im Vorjahr Abgaben hinnehmen.

Das noch neue Jahr 2019 dürfte für die mittelständischen Unternehmen herausfordernd werden. Die Handelsaktivitäten im nicht kotierten Segment sollten dennoch auf dem Niveau des Vorjahres verharren. Die Anleger werden ihr Augenmerk auf solide Bilanzen und bewährte, rentable Geschäftsmodelle richten.

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