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Märkte / Makro

Negativzins lässt Hypozinsen sprunghaft steigen

Aufgrund der Unsicherheit am Swapmarkt erhöhen die Geldinstitute ihre Sicherheitsmarge massiv. Innerhalb weniger Tage sind die Zinsen auf dieselbe Hypothek um bis zu ein Drittel gestiegen.

Noch am Mittwoch notierten die Hypothekarzinsen auf historisch rekordniedrigem Niveau. Vorbei. Der Schweizer Hypothekarmarkt verzeichnet wilde Ausschläge und Preissteigerungen. Am Freitag musste für dieselbe Hypothek bis zu ein Drittel mehr bezahlt werden als noch vor wenigen Tagen. Credit Suissse beispielsweise hat ihren Richtsatz für zehnjährige Festhypotheken von 1,19 auf 1,68% erhöht. Der Grund ist das Negativzinsregime der Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 4440 5.51%)), das die Märkte destabilisiert hat.

Weil der Swapmarkt mit grossen Volatilitäten in den negativen Bereich geraten ist, ist den Hypothekarbanken dieses zentrale Instrument zur Bilanzsteuerung und -stabilisierung  weggebrochen.  In der entstandenen Unsicherheit erhöhen die Geldinstitute ihre Sicherheitsmarge massiv. Die Zürcher Kantonalbank, die Mitte Woche die zehnjährige Hypothek noch für 1,17% anbot, publizierte am Freitag einen Richtpreis von 1,52%. Swissquote (SQN 36.6 -0.81%) stellt für den Langläufer gar keinen Richtpreis mehr.

Zinsen ein Viertel höher

Dass der Negativzins umgehend zu steigenden Hypothekarzinsen führt, zeigt die Problematik dieses Instruments. Negativzinsen sind Belastungen, die eine Geschäftsbank bezahlen muss, wenn sie Überschussliquidität bei der Zentralbank parkt. Weil die SNB aus Währungsgründen den Zustrom von Geldern in die Schweiz unterbinden möchte, belastet sie diese Einlagen, so sie bestimmte Werte übertreffen, statt sie zu verzinsen.

Die Verantwortlichen der SNB hätten  die Konsequenzen des Negativzinses völlig unterschätzt, heisst es in der Branche. Denn entgegen den Hoffnungen und Versprechungen der Nationalbank sind bereits Auswirkungen auf die Schweizer Kleinkunden spürbar, beispielsweise bei den Hypotheken. Ausserdem hat die Zürcher Kantonalbank angekündigt, zwar keine Negativzinsen für Kleinsparer und Kleinunternehmen vorzusehen. Jedoch müsse mit einer Konditionenanpassung bei Spar- und Kontoprodukten gerechnet werden – was im Endeffekt auf dasselbe herauskommt. Die ZKB hält sich zudem eine Neubeurteilung vor, falls die Nationalbank ihre Politik verschärfen sollte.

Andere Instrumente

Die SNB habe die Pest mit der Cholera ersetzt. Das ist, pointiert ausgedrückt, die Meinung zahlreicher Marktteilnehmer über die Ablösung der Euroanbindung des Frankens durch den Negativzins. Kaum jemand will der eigenen Notenbank allerdings öffentlich in den Rücken fallen.

Zu seiner Kritik steht Christoph Gloor, der Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken: «Sowohl die Ankün­digung wie auch die Erhöhung des Negativzinses haben am Devisenmarkt nichts gebracht.» Am Freitag notierte der Euro zeitweise unter 98 Rappen. «Der Negativzins schadet mehr, als er nützt», sagt Gloor. «Es braucht andere Instrumente, um die geldpolitischen Ziele zu erreichen», fordert der Banker.