Märkte / Makro 17:15 - 17.04.2015

Negativzinsen und der Abgesang auf das Bargeld

Papiergeld wird bei Zinsen unter null zum Hochzinspapier. Das behindert die Geldpolitik der SNB. Ein Wechselkurs zwischen Bargeld und Geld auf dem Konto kann helfen.
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zum Stichwort
Aufwertung
Bewirkt einen grösseren Aussenwert der Währung, was Exporte verteuert und Importe vergünstigt.
Beteiligung
Langfristige, kapitalmässige Interessennahme an anderen Unternehmen, bei der die wirtschaftliche Einflussnahme oder ähnliche Zielsetzungen im Vordergrund stehen. Die Beteiligungen werden höchstens zum Einstandspreis bewertet.
Geldpolitik
Massnahmen, mit denen die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt (Leitzinsen ) und damit die Geldversorgung eines Landes oder Währungsraums steuern. Die meisten Zentralbanken, so auch die Schweizerische Nationalbank , sind bestrebt, die Preise stabil zu halten (vgl. Inflation , Deflation ) und der Wirtschaft Wachstum zu ermöglichen (vgl. quantitative Lockerung ).
Leitzinsen
Zinsen der Zentralbanken zur Geldmengensteuerung mit Signalwirkung für die Geldpolitik, in den USA Federal Funds Target Rate genannt. Die Schweizerische Nationalbank verwendet ein Zielband für den Dreimonatssatz Libor .
Rezession
Phase im Konjunkturzyklus . Rückläufiges Wachstum des BIP während mindestens zwei Quartalen.
SNB
1907 gegründete Notenbank der Schweiz. Ihr Auftrag gemäss Nationalbankgesetz NBG ist, eine dem Gesamtinteresse des Landes dienliche Geldpolitik zu betreiben und insbesondere die Preisstabilität zu bewahren. Ausserdem hat sie zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Die SNB versorgt den Geldmarkt und damit das Finanzsystem über Repogeschäfte mit Liquidität, gewährleistet die Bargeldversorgung, verwaltet die Währungsreserven , vertritt die Schweiz zusammen mit dem Bund im IWF sowie in der Weltbank und fungiert als Hausbank der Eidgenossenschaft. Die SNB ist als spezialgesetzliche AG organisiert und an der SIX kotiert. Die Kantone halten die Mehrheit der Aktien , die Rechte der wenigen Privataktionäre werden auch vom NBG stark beschnitten, das z. B. die Höhe der Dividende limitiert. Organe der SNB sind der elfköpfige Bankrat als eine Art VR , das für die Geldpolitik verantwortliche ausführende dreiköpfige Direktorium als Geschäftsleitung , die GV und die Revisionsstelle .
Wechselkurs
Gibt an, in welchem Verhältnis die Währung eines Landes gegen die Währung eines anderen Landes gewechselt werden kann (vgl. effektiver Wechselkurs ).
Wertpapier
Urkunde, mit der ein Recht derart verknüpft ist, dass es ohne die Urkunde weder geltend gemacht noch auf andere übertragen werden kann. Zu den Wertpapieren zählen Aktien , Obligationen , Partizipations- und Genussscheine , Anteile von Anlagefonds , Warrants und strukturierte Produkte .
Zentralbank
Volkswirtschaftliche Institution, die für die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld zuständig ist. Gleichzeitig soll sie Geldwertstabilität und je nach Statut Vollbeschäftigung sowie angemessenes Wirtschaftswachstum herstellen. In der Schweiz ist dies die SNB .

Mit der neuen, seltsamen Welt der Negativzinsen wird sich jeder Schweizer spätestens dann auseinandersetzen müssen, wenn auch auf dem Privatkonto Negativzinsen drohen.  Noch subventionieren die schweizerischen Banken die Privatkunden durch zu hohe Hypothekensätze.

Wenn denn aber einmal deren Kontosaldo wegen der negativen Verzinsung sinkt, wird auf einmal Bargeld als Anlage hoch interessant. Die Banknote als liquides Wertpapier mit Nullzins wird dann zur Hochzinsalternative.

Wenn Anleger vom Bankkonto in Papiergeld flüchten, wird aber die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) entkräftet. Sie will ja mit dem negativen Leitzins den Franken unattraktiv machen und damit gegenüber dem Euro schwächen. Ist der Negativzins für Privatanleger tief genug, könnte das massenhafte Lagern von Banknoten zum Geschäft werden. Damit könnte der Wertverlust auf dem Konto umgangen werden.

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2 Kommentare zu «Negativzinsen und der Abgesang auf das Bargeld»

  • Markus Sigrist sagt: 22:49 - 18.04.15

    Ich verstehe nicht, warum die Nationalbank nicht einfach die Druckerpresse auf Hochtouren laufen lässt. Wenn sie genug druckt, wird der Franken automatisch schwächer. Mit dem gedruckten Geld muss sie ja nicht Euro kaufen, es gibt auch andere Währungen, man könnte damit einen guten Staatsfonds gründen und das Geld weltweit gewinnbringend investieren, die Bundeskasse und die Sozialwerke könnten auch profitieren und man hätte sogar noch genügend frisch gedruckte Franken, um damit den Ärmsten der Welt zu helfen. So kann man sich den Murx mit den Negativzinsen sparen, die Exportindustrie dankt und fast allen ist geholfen.

  • Jean Ackermann sagt: 13:34 - 18.04.15

    Negativzinsen wurden von der Nationalbank nur eingeführt um den Zustrom riesiger Geldmengen aus anderen Währungsräumen, die durch die konvertierung in Franken den Franken aufwerten würden (Angebot/Nachfrage), zu bremsen. Passionierte Keynesianer wie Kimball sehen in den Negativzinsen eher ein Insrument zur totalen Steuerung der Wirtschaft durch die Politik und die Ökonomengilde (hier Keynesianer). Da stört eigentlich nur das Bargeld!! Durch die Einführung einer Gebühr auf Bargeld schlägt man zwei Fliegen mit einem Streich, man führt durch die Hintertür eine neue Steuer auf die Sparer ein die man dann beliebig manipulieren kann, und das Geldsystem und damit die Wirtschaft wird im totalitären Sinn von der Politik steuerbar.