Märkte / Rohstoffe

Nervöser Erdölmarkt

Rohstoffe:  Zweifel an der Umsetzung der Opec-Förderkürzung bewegen Ölpreis.

Michael Peyer

An den Rohstoffmärkten ist im neuen Jahr noch kein einheitlicher Trend sichtbar. Die Marktteilnehmer ver­folgen die Entwicklung der US-Börsen und des Dollars, und sie warten gespannt, ob der neue ­US-Präsident die Konjunktur weiter brummen lassen kann oder sie gegen die Wand fährt.

Am Erdölmarkt dürfte es spannend bleiben. Die Opec-Länder und wichtige Ölförderer ausserhalb des Opec-Kartells kündigten im alten Jahr an, die Produktion ab Januar schrittweise um fast 1,8 Mio. Fass pro Tag zu drosseln. Die Opec-Länder müssten eigentlich bereits ab dem 1. Januar 1,2 Mio. Fass pro Tag weniger fördern.

Am ersten Handelstag im neuen Jahr starteten die Ölmärkte mit kräftigen Avancen. Europäisches Rohöl der Sorte Brent und US-amerikanisches WTI verzeichneten im Tagesverlauf mit 58.37 und 55.24 $/Fass kurzzeitig ein Achtzehnmonatshoch. Doch danach kamen die Preise gewaltig unter Druck. Bis zum Handelsschluss büssten beide Kontrakte über 5% gegenüber ihren Tageshöchstwerten ein. Bis Ende der Woche erholten sich die Rohölpreise aber wieder auf 57.10 $/Fass (Brent) und 53.70 $/Fass (WTI). Zum Wochenauftakt sind die Ölpreise erneut fast 4% gefallen. Am Dienstagnachmittag kostete ein Fass Brent knapp 55 $ und ein Fass WTI 52 $. Zurecht wird am Markt bezweifelt, dass sich alle Produzentenländer an die angekündigten Förderkürzungen halten.

Gemäss dem Bericht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) reduzierten die spekulativen Investoren ihre Long-Positionen auf Öl erstmals seit fünf Wochen, jedoch nur marginal. Die an der Warenterminbörse Nymex (New York Mercantile Exchange) gehaltenen Netto-Long-Positionen von 304 468 Kontrakten sind deshalb immer noch so hoch wie zuletzt im Juli 2014. In London stehen die spekulativen Kaufpositionen auf Brent-Öl mit 458 048 Kontrakten schon länger auf einem Rekordniveau. Die einseitige Positionierung der Investoren am Terminmarkt könnte irgendwann zum Problem werden. Wenn alle ihre Positionen schliessen, kann sich der Preiszerfall beschleunigen. Der Markt ist fragil. Sollte das Vertrauen in die angekündigten Produktionskürzungen in den nächsten Wochen weiter schwinden, könnten die Rohölpreise jedoch deutlich korrigieren.

Am kommenden Freitag treffen sich die Ölminister verschiedener Opec-Länder und Nicht-Opec-Mitglieder in Abu Dhabi. Das Komitee setzt sich aus Kuwait, Algerien, Venezuela, Russland und dem Oman zusammen, und ist für die Umsetzung des Abkommens verantwortlich. Bis verbindliche Daten zur Verfügung stehen, wird es aber noch länger dauern.

An den Getreide- und Ölsaatenmärkten warten die Markt­teilnehmer auf den am Donnerstag erscheinenden Quartalsbericht des US-Landwirtschaftsministeriums. Die Ausgabe zu Jahresbeginn ist die umfassendste. Ein besonderes Augenmerk gilt den Lagerbeständen für Mais, Weizen und Soja per 1. Dezember, den Daten zur US-Winterweizenaussaat sowie dem monatlichen Bericht über das Angebot und die Nachfrage. Der Sojapreis hat sich wegen der besseren Wetteraussichten für Südamerika, insbesondere für Argentinien, um 10 $/Bushel festgesetzt. Derweil notiert Weizen mit einem Kontraktpreis von 4.27 $/Bushel auf einem Fünfwochenhoch. Die Trockenheit in den südwestlichen Weizenanbauregionen der USA und die kalten Temperaturen dürften einen Schaden angerichtet haben, der noch nicht zu beziffern ist.

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