Unternehmen / Konsum

Nestlé und Coop verhandeln weiter

Im Konflikt zwischen Nestlé und Detailhändlern zeichnet sich doch kein Durchbruch ab, wie es zuvor gemäss Medienberichten geheissen hat.

(AWP) Der monatelange Streit zwischen Nestlé (NESN 80.04 1.44%) und europäischen Detailhändlern wie Coop um Rabatte und Konditionen geht wohl doch noch weiter. Nachdem die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» geschrieben hatte, eine Einigung stehe unmittelbar bevor, erklären andere mit den Verhandlungen vertraute Kreise, man sei noch nicht so weit.

«Es ist noch nichts in trockenen Tüchern», sagten involvierte Personen am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. «Nichts ist vereinbart, bis alles vereinbart ist, und die Verhandlungen laufen noch», war aus den Verhandlungskreisen zu vernehmen.

Etwas konkreter wird der Detailhändler Edeka aus Deutschland. «Wir sind in der letzten Woche vorangekommen, aber wir sind noch lange nicht am Ziel», sagte Edeka-Vorstandschef Markus Mosa am Dienstag in Hamburg. «Wir kommen voran und wir wollen auch den Streit beilegen, haben aber noch keine Einigkeit erzielt.» Es gebe ein Angebot von Nestlé, aber das sei in dieser Form nicht akzeptabel.

Nestlé selbst und auch der Schweizer Detailhändler Coop erklärten auf Anfrage von AWP nur, man wolle sich zu den laufenden Verhandlungen «derzeit nicht weiter äussern».

Im schwelenden Konflikt verhandelt der grössten Nahrungsmittelhersteller der Welt mit dem europäischen Händlerverbund Agecore, der Zugeständnisse bei Preisen und Konditionen fordert, um so die Kosten beim Einkauf zu senken. Zu Agecore gehört nebst der deutschen Edeka und dem Schweizer Detailhändler Coop beispielsweise auch Intermarché aus Frankreich.

Zusammen wickeln die Mitglieder des Einkaufsclubs rund 2 Milliarden Euro Umsatz mit Nestlé ab. Zu den bekanntesten Marken des Unternehmens gehören Nescafé, Maggi, Thomy oder Vittel.

Analysten warnen vor Signalwirkung

Wären Nestlés Manager in zentralen Punkten tatsächlich zu Konzessionen bereit, so könnte dies laut Analysten eine teuer erkaufte Einigung sein. «Falls dies zutreffen sollte, wäre dies negativ für Nestlé und die gesamte Nahrungsmittelindustrie zu werten», schrieb beispielsweise der zuständige Analyst der Zürcher Kantonalbank.

Es würde sich nämlich um einen Beweis dafür handeln, dass Detailhändler trotz der wieder besser laufenden Konjunktur Nahrungsmittelproduzenten erfolgreich unter Druck setzen könnten. Diese Signalwirkung würde auch Detailhändler ausserhalb von Agecore dazu ermuntern, Konditionen neu auszuhandeln, urteilte der Analyst. Die Kantonalbank belässt ihr Rating der Nestlé-Aktie denn auch bei «Untergewichten».

 

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