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Eine starke Vorlage von Netflix

Der US-Streamingdienst übertrifft mit den Quartalszahlen die Erwartungen. Der Film über die «Panama Papers» landet vor Gericht.

Netflix will sich mit grossen Namen gegen die Konkurrenz wehren. Filme von Oscar-Preisträgern wie Steven Soderbergh oder Martin Scorsese werden in den kommenden Wochen ins Programm aufgenommen. Alles, um die Abwanderung von Abonnenten zu verhindern, wenn Apple und Disney im November ihre eigenen Streamingangebote lancieren.

Bereits jetzt wird es für Netflix schwieriger, neue Abonnenten zu gewinnen. Das Streamingportal hat im dritten Quartal bereits zum zweiten Mal in Folge die eigenen Prognosen verfehlt und statt 7 Mio. nur 6,8 Mio. neue Nutzer gewonnen. Trotzdem legen Netflix heute an den Finanzmärkten zu. Ein Zeichen dafür, dass Marktteilnehmer wohl mit deutlich weniger neuen Abonnenten gerechnet hatten. Nach Eröffnung von Wallstreet stehen die Aktien bei knapp 300 $, ein Plus von 4,7%. Der Umsatz hat gegenüber dem Vorjahr um 31% auf 5,25 Mrd. $ zugenommen.

Die Vorgaben der Streamingplattform für das dritte Quartal waren ambitioniert. Verantwortlich dafür war, dass die dritte Staffel der Achtzigerjahre-Mystery-Serie «Stranger Things» veröffentlicht wurde, eine der Erfolgsserien des Streamingportals. Innerhalb eines Monats nach der Veröffentlichung wurde sie von 64 Mio. Abo-Haushalten gesehen, wie Netflix gestern angab. Das Unternehmen kommuniziert nur selten Zahlen, wie oft einzelne Filme oder Serien gestreamt werden.

Die Verschuldung von Netflix ist in den ersten neun Monaten von 10,4 auf 12,4 Mrd. $ gestiegen. Der Streamingdienst finanziert seine Programme teilweise mit Fremdkapital. In diesem Jahr will er 15 Mrd. $ in neuen Content investieren. Die Konkurrenz derart solventer Konzerne wie Apple und Disney hat allerdings dazu geführt, dass auch für ältere Serien die Preise gestiegen sind. Um während fünf Jahren dem Sitcom-Klassiker «Seinfeld» zeigen zu können, hat Netflix vor Kurzem 500 Mio. $ bezahlt. CEO Reed Hastings bezeichnete die 100 Mio. $, die Netflix vor sieben Jahren in die Produktion ihres ersten Erfolgs, «House of Cards», investiert hatte, als Schnäppchen.

Im laufenden Quartal will Netflix vor allem mit Filmen auf sich aufmerksam machen. «The Laundromat» von Steven Soderbergh hat den Steuerskandal zum Thema, der mit der Veröffentlichung der Panama Papers aufgedeckt wurde. Mit «The Irishman» hat Martin Scorsese erneut einen Mafiafilm gedreht. Der Film mit Robert de Niro und Al Pacino in den Hauptrollen gilt bereits als früher Favorit im Rennen um den Oscar. Mit solchen Titeln will Netflix eher ein erwachsenes Publikum ansprechen, Apple und Disney haben bereits angekündigt, eher auf familienkompatible Programme zu setzen.

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