«Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes», sagte Lenin 1920. Das haben die chinesischen Business-Kommunisten beherzigt. Starkstromleitungen wie diese, die derzeit in Tibet errichtet werden, binden das seit 1950 besetzte Land noch enger an China. Genauso wie die Eisenbahnlinie nach Lhasa, die 2006 in Betrieb ging, eine technische Grosstat im kargen Hochland. Auch der Bau der Strommasten auf durchschnittlich 3750 Meter über Meer ist herausfordernd; mitunter müssen Maulesel die Teile durchs wilde Gelände transportieren. 2018 soll das Projekt abgeschlossen werden. Der Charme des Infrastruktur-Imperialismus – in einer Gegend, die China aus geostrategischen Gründen, mit Blick auf den grossen Nachbarn Indien, niemals in die Unabhängigkeit entlassen wird – ist der, dass solche Netze den Einheimischen das Leben erleichtern. Der Preis dafür ist eben der, dass Peking das unruhige Gebiet nun auch an stählernen Fäden in der Hand hält. Dessen müssten sich Länder wie etwa Pakistan bewusst sein, die chinesische Investitionen in Häfen, Strassen, Pipelines willkommen heissen: Darüber werden künftig nicht nur Güter oder Energie transportiert, es wird auch Macht projiziert.