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Neue OpportunitätenAnleger in Katastrophenanleihen gewinnen mit ModellanpassungNeue OpportunitätenCAT-Bonds-Anleger profitieren von

Dirk Schmelzer

Einer der führenden Risikomodellierer für Naturkatastrophen, das Unternehmen Risk Management Solutions (RMS), hat signifikante Änderungen am amerikanischen Hurrikanmodell vorgenommen. Führt der markante Anstieg der Risikomasse zu höheren Versicherungskosten oder zu einer steigenden Rendite? Letzteres dürfte vermehrt Anleger in Katastrophenanleihen, sogenannten Cat Bonds oder auch Insurance-linked Securities (ILS), auf den Plan rufen.

Risikomodelle sind unverzichtbar zur Bewertung von Versicherungsrisiken im Zusammenhang mit Naturkatastrophen. Sie erlauben eine Quantifizierung des übernommenen Risikos und damit auch die Ermittlung einer adäquaten Versicherungsprämie. Denn aufgrund des seltenen Auftretens von Naturkatastrophen genügen beobachtete historische Ereignisse nicht, um diese Quantifizierung vorzunehmen. Moderne Risikomodelle erfassen Einflüsse durch die Änderungen wissenschaftlicher Erkenntnisse – der Besiedelung und der versicherten Werte oder der sich ändernden Bauweisen und der sich ändernden Bauvorschriften. Die heute verfügbare Computerrechenleistung ermöglicht zudem immer aufwendigere Berechnungen.

Anstieg der Schäden um 35%

Diese Modelle werden laufend überarbeitet und angepasst. Dementsprechend fliesst stets der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Forschung ein. Daher wird jede dieser Anpassungen auch zu einer veränderten Risikodarstellung führen. Die Veränderungen können erheblich sein, wie sich an der derzeitigen Adjustierung des Risikomodells von RMS zeigen lässt. In der derzeitigen Version erhöht sich der modellierte Versicherungsschaden durch einen Hurrikan mit einer einhundertjährigen Wiederkehrperiode (1% Wahrscheinlichkeit) um rund 35%.

Hierbei die grösste angepasste Komponente sind die gestiegenen versicherten Werte an der Küste aufgrund demografischer und ökonomischer Entwicklungen. Weitere Einflussfaktoren sind u. a. eine Erhöhung der modellierten Schäden im Landesinnern und eine höhere Schadenempfindlichkeit von Gebäuden sowie die exaktere Modellierung der Küstentopografie und der Bathymetrie (Vermessung der topografischen Gestalt der Meeresböden), die steigende Flutschäden implizieren. Noch markanter wird der Unterschied, wenn der Zyklus der Meeresoberflächentemperatur hinzugenommen wird. Das führt zu einer erhöhten Sturmaktivität, und der simulierte Hundertjahresschaden steigt um rund die Hälfte.Modelländerungen in einer solchen Grössenordnung haben massive Auswirkungen auf die Versicherungsindustrie. Denn aus Sicht eines Versicherers trägt das gleiche Geschäft nun ein signifikant höheres Risiko, für das höhere Prämien am Markt durchgesetzt werden müssen. Das RMS-Modell wurde von der Versicherungsaufsicht im US-Bundesstaat Florida akzeptiert, sodass in den folgenden Erneuerungsrunden der Verträge die Kosten zunehmen werden. Der gestiegene Risikobeitrag bedingt zudem eine höhere Eigenmittelhinterlegung oder zusätzliche Rückversicherungsdeckung.

Alles steigt

Zusätzliche Rückversicherungsdeckung kann auch über Kapitalmarkttransaktionen erreicht werden. Auch hier führt die Modelländerung zu höheren Risikokennzahlen und damit auch zu einer höheren benötigten Kompensation. Für ILS-Anleger bedeutet dies einen Renditeanstieg von 5 bis 10%. Wie bei den Versicherern auch geht die höhere Verzinsung mit einem steigenden Risikobeitrag aus den amerikanischen Hurrikanpositionen einher. Anhand der Berechnungen unseres Unternehmens Plenum Investments – am Beispiel des hauseigenen Cat Bond Fund – wächst der Beitrag aus US-Hurrikanrisiken zum Gesamtrisiko des Portfolios um 20 Prozentpunkte.

Auch auf bereits ausstehende Cat Bonds kann sich eine solche Risikomodellaktualisierung auswirken. So haben Ratingagenturen bereits mögliche Bonitätsnotenanpassungen angekündigt. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass Katastrophenanleihen, die ursprünglich mit einem anderen Modell berechnet wurden, nicht neu beurteilt werden – obschon sich die Risikobeurteilung der Modelle nun signifikant unterscheidet. Das neu adjustiere RMS-Modell zeichnet eine deutlich konservativere Sicht auf das Risiko. Und auch von Cat Bonds, die von einem Konkurrenzprodukt modelliert wurden, ist eine Marktreaktion zu erwarten. Denn sie unterschätzen nun im Quervergleich das Risiko.

Konkurrenz zurückhaltend

Es wird interessant sein, den weiteren Trend in der Modellentwicklung zu beobachten. Die Konkurrenten der kalifornischen RMS zeigt sich bis anhin zurückhaltend. Sie verweisen auf die hohe Qualität ihrer Modelle. RMS selbst hingegen ist überzeugt, mit der jüngsten Anpassung einen Sprung in der Modellqualität vollbracht zu haben. Belegt wird das anhand der guten Übereinstimmung mit historischen Datenpunkten.

Aus Sicht der Anleger sind Verschiebungen hin zu konservativeren Modellen interessant, da damit eine höhere Risikoentschädigung durchgesetzt werden kann. Zudem eröffnet die Existenz unterschiedlicher Modelle mit abweichenden Risikodarstellungen Opportunitäten bei der unterschiedlichen Bewertung von ausstehenden Cat Bonds, sofern man die Modellunterschiede analysiert und in die Beurteilung von Positionen einfliessen lässt.

Dirk Schmelzer, Plenum Investments

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