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Märkte / Rohstoffe

Neuer Anlauf für börsengehandelte Diamanten

An der Singapore Diamond Investment Exchange werden zum ersten Mal physische Diamanten zu Investitionszwecken gehandelt. Die Ambitionen sind gross.

Als Schmuckstücke sind die geschliffenen, funkelnden Steine seit je her beliebt. Aber Diamanten an der Börse handeln? Die Singapore Diamond Mint Company (SDM) will das möglich machen. An der Singapore Diamond Investment Exchange (SDiX), der ersten vollelektronischen Rohstoffbörse, die den Kauf und Verkauf von Diamanten mit Investmentniveau ermöglicht, hat vergangene Woche der Handel mit standardisierten physischen Diamanten gestartet.

Grundsätzlich ist die Idee nicht neu. Immer wieder gab es Versuche, Diamanten als Anlageklasse zu etablieren. Auch hier in der Schweiz wagten es verschiedene Unternehmen. Viele sind jedoch am Fehlen eines Benchmark-Preises gescheitert. Wegen der schlechten Vergleichbarkeit verschiedener Steine galt der Aufbau eines liquiden Handels als sehr schwierig bis unmöglich. Denn Diamanten sind natürliche Unikate und über Jahrtausende geformt worden. Dadurch unterscheiden sie sich voneinander (vgl. Box unten).

Zudem ist die Preissetzung nicht linear. Ein Stein mit 0,9 Karat ist mehr als 10% günstiger als ein 1-karätiger Diamant. Grosse Stücke mit besonderen Eigenschaften werden oft zu überdurchschnittlich hohen Preisen verkauft.

«Diamantenmarkt ungeeignet für private Investoren»

Angesichts der schwierigen Preissetzung erforderte der physische Handel mit den Steinen bisher professionelle Kenntnisse und Zugang zum Grosshandel, der grösstenteils in Indien abgewickelt wird. Je nach Schätzung werden zwischen 80 und 90% aller Diamanten weltweit in der indischen Hafenstadt Surat geschliffen. Seit diesem Sommer haben die Händler an der Indian Commodity Exchange die Möglichkeit, ihre Lieferungen über den Terminhandel abzusichern, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

«Der heutige Diamantenmarkt ist ungeeignet für private Investoren. Denn vielerorts sorgen die geltenden Preislisten und -verhandlungen für Intransparenz und verunmöglichten eine Regulierung», sagt Alain Vandenborre, Gründer der SDiX. Dadurch könnten die Verkäufer hohe Margen erwirtschaften, die den Kunden zur Last fallen. Käufer zahlten unwissentlich bis zu viermal mehr als den handelsüblichen Preis. Und ein Weiterverkauf sei ohne markante Einbussen praktisch unmöglich, ergänzt Vandenborre.

Kauf und Verkauf zu Investment-Zweck

Die SDiX soll das ändern. Der regulierte Kauf und Verkauf von Diamanten auf Investment Stufe ist eine Neuheit. «Der neu geschaffene Markt kann das Transparenz- und damit Vertrauensproblem lösen», glaubt Vandenborre. Es werde eine zuverlässige Plattform für die Anlageklasse geschaffen. Gestützt wird das Vorhaben von Grossinvestoren wie dem Nationalfonds von Singapur oder dem Rohstoff-Guru Jim Rogers.

Damit ein standardisierter und liquider Handel gewährleistet ist, werden sogenannte Diamond Bullions der SDM eingesetzt. So nennt die SDM das von ihr entwickelte Produkt: In einem Behälter (Basket) so gross wie eine Kreditkarte werden die Steine mit einem festgelegten Gewicht für den Käufer verpackt, mit einer einmaligen Signatur versehen und anhand der Seriennummer registriert. Die Bullions haben derzeit einen Wert von 100’000 bzw. 200’000 $ – je nach Inhalt. In einer ersten Serie soll das Handelsvolumen auf 50’000 Einheiten beschränkt sein.

Diamond Bullion schafft einheitliches Mass

Einerseits entstehe durch die Diamond Bullions ein einheitliches Mass, dass an der Börse gehandelt werden kann. Andererseits würden nur kleine Steine verwendet, was eine Vergleichbarkeit ermögliche. Denn das Vorurteil, dass keine zwei Steine genau gleich seien, stelle nur bei den grossen Diamanten ein wirkliches Problem dar. Es gebe genügend kleinere, um zu gewährleisten, dass zwei vergleichbare Diamanten zum gleichen Preis gehandelt werden, ist die SDM überzeugt.

Die Zielgruppe ist gemäss der SDM klar: Diamanten könnten dank ihrer Beständigkeit eine Alternative zu Gold (Gold 1331.25 0.2%) bieten. Die Steine eigneten sich als Absicherung- und Diversifikationsinstrument, ist Vandenborre sicher. Denn Diamantenpreise sind kaum korreliert mit anderen Anlageklassen. Das Versprechen reiht sich ein zu den Aussagen verschiedener Branchenvertreter, die in Diamanten eine langfristige und stabile Anlage sehen. Es gibt jedoch einige Vorbehalte.

Diamantenmarkt deutlich kleiner als Goldmarkt

Der Markt für Diamanten ist zwar relativ liquide. Aber an den für Gold kommt er nicht heran. Täglich wird Gold im Wert von mehr als 100 Mrd. $ gehandelt. Die Liquidität dürfte auch in Zukunft kaum so gross werden wie am Goldmarkt. Wer also sicher sein will, seine Anlage möglichst schnell und ohne grossen Preisabschlag verkaufen zu können, dürfte auch zukünftig eher auf das gelbe Metall setzen.

Ein Blick auf die Webseite der SDiX offenbart zudem eine hohe Volatilität bei den Referenzdiamanten. Preisveränderungen von mehr als 10% in wenigen Tagen sind keine Seltenheit. Vandenborre verweist darauf, dass sich die Anlage nur für einen langen Zeithorizont eignet. Kurzfristige Spekulationen auf den Preis seien nicht empfohlen.

Damit dürften es Diamanten aber schwer haben, das nötige Vertrauen zu gewinnen, damit sich der Handel an der Börse etabliert. Demgegenüber hat sich Gold seit Jahrhunderten als Wertaufbewahrung bewährt.

Vandenborre und die SDM glauben, das Kundeninteresse mit Werbung auf sich ziehen zu können. Im Zentrum steht dabei China. Die Chinesen investierten gerne in physische Rohstoffe. Ob das reicht, um das nötige Handelsvolumen zu erreichen, muss sich in den kommenden Jahren zeigen.