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Neuer Auftrieb für Bitcoins

Der Kurs der Internet-Währung lag zeitweise fast 2000% höher als zu Jahresanfang. Aussagen der US-Regierung könnten helfen, Bitcoin als Zahlungssystem zu etablieren.

Alexander Trentin

Bitcoin, eine digitale Währung mit immer grösserem Zulauf, zeigte über die letzten Monate das typische Verhalten einer Blasenbildung. Die Kurse stiegen überexponentiell – die Rate des Kursanstiegs erhöhte sich ständig weiter. Das ist etwa die Definition des ETH-Professors Didier Sornette. Beim Preisniveau von um die 800 $ je Bitcoin – ein Anstieg auf nahezu das 20-Fache seit Jahresanfang – stürzte der Kurs jedoch um etwa 30%. Schon im April war eine Mini-Blase im Bitcoin-Markt geplatzt.

Es kam wohl Anfang der Woche zu einem «Squeeze» – einer völligen Ausschöpfung – des Angebots an Bitcoin. Auf dem grössten Handelsplatz für die virtuelle Währung, Coinbase, kam es am Montag zu einem Zusammenbruch des Handels. Die Bitcoins waren «alle».

Quelle: Bitcoincharts.com

Der Preisanstieg der letzten Wochen war wohl auch darauf zurückzuführen, dass die US-Regierung Bitcoins als legales Zahlungsmittel bezeichnet. Am Montag wiederholte die Regierung diesen Standpunkt bei einer Anhörung des Senats. Ein Vertreter des Justizministeriums gab zu Protokoll: «Wir alle erkennen an, dass Online-Währungen an sich nicht illegal sind.»

Bitcoin nicht kriminell

Ein für die US-Bundespolizei FBI verantwortlicher Offizieller im Justizministerium erklärte in einem Brief an das verantwortliche Senatskomitee, dass das FBI der Meinung ist, dass «Online-Bezahlsysteme, ob dezentralisiert oder zentralisiert, legitime Finanzdienstleistungen anbieten». Alle Währungen könnten aber von bösartigen Teilnehmern ausgenutzt werden. Und die Bezahlsysteme würden ein unterschiedliches Risiko darstellen.

Bitcoin sind ins kriminelle Zwielicht geraten: Sie kamen in Verruf, da etwa der Drogenhandel im Online-Schwarzmarkt «Silk Road» mit dieser Währung abgewickelt wurde. Das Justizministerium machte aber klar, dass nur weil eine Währung von Kriminellen verwendet werde, sie nicht automatisch illegal sei.

Fed-Chef Ben Bernanke erklärte schriftlich, dass die US-Notenbank kein Mandat habe, Online-Währungen regulatorisch zu überwachen – man beobachte die Situation aber. «Die virtuellen Währungen versprechen langfristig viele Vorteile», erklärte Bernanke in einem Brief. Es gebe aber Herausforderungen im Hinblick auf die Regulierung und polizeiliche Überwachung.

Private Währung ohne staatlichen Einfluss

Bitcoin ist privat und dezentral organisiert – das macht sein Verhältnis zu staatlichen Stellen schwierig. Die virtuellen Goldstücke können von Heimcomputern durch die Ausführung komplexer Berechnungen «geschürft» werden. Die Kosten der Schürfung sind also durch die Hardware und die Stromkosten des Rechners vorgegeben. Überschreitet die Anzahl der geschürften Bitcoins eine Schwelle, erhöht sich die nötige Rechenkraft je Bitcoin.

Die Bezahlung durch Bitcoin kann anonym durchgeführt werden, was es für illegale Transaktionen attraktiv macht. Wie andere Währungen ist der Bitcoin nicht vor Diebstahl gefeit: Das Portemonnaie liegt auf dem Computer und könnte dort etwa von Hackern gestohlen werden – was schon vorgekommen ist.

Die Philosophie hinter Bitcoin ist «krypto-anarchisch» – durch Verschlüsselung soll der Einfluss des Staates zurückgedrängt werden. Ob Steuern, Strafgesetze oder freie Meinungsäusserung: Für Online-Anarchisten ist eine privat organisierte Währung der erste Schritt, um eine staatsfreie Gesellschaft aufzubauen. Für viele Anleger spielt auch das Misstrauen in die staatlichen Papierwährungen eine Rolle. Das Bitcoin-Volumen ist wie bei Edelmetallen durch den Aufwand des Schürfens begrenzt. Und wie bei Gold gibt es eine maximal mögliche Anzahl von Bitcoins – 21 Millionen. Im Moment sind schon über 12 Millionen virtuelle Münzen im Umlauf.

Im August wurde bekannt, dass ein Antrag zur Zulassung eines Anlagefonds in Bitcoin bei der US-Wettbewerbsbehörde eingegangen ist.