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Neuer CS-Präsident verspricht Durchgreifen

António Horta-Osório übernimmt von Urs Rohner die Spitze der Grossbank. Der Portugiese legte an der Generalversammlung die Latte für sich selbst hoch.

Erstmals äusserte sich der neue Verwaltungsratspräsident (VRP) von Credit Suisse (CSGN 9.39 +0.86%), António Horta-Osório, öffentlich nach seiner Wahl am Freitag an der Generalversammlung (GV). Der Portugiese sprach Bankchef Thomas Gottstein das Vertrauen aus und kündigte gleichzeitig hartes Durchgreifen nach den jüngsten Debakeln um die Greensill-Fonds und den Hedge Fund Archegos an, was der Bank bisher wohl Verluste von 5 Mrd. Fr. eingebrockt hat.

Bei Risikomanagement, Strategie und Kultur wolle Horta-Osório entscheidende Änderungen herbeiführen. Risiken sollen zurückgefahren werden, die Strategie der Bank solle tiefgehend überprüft und dann neu aufgesetzt werden. Die Kultur, insbesondere, was die viel kritisierte Vergütung der Manager anlangt, soll geändert werden. Die Bank benötige eine Kultur mit einem Fokus auf Risikomanagement, welche die richtigen Anreize setze und auf persönliche Verantwortung fokussiere, sagte Horta-Osório, der zuvor CEO der britischen Grossbank Lloyds war.

Rohners Entschuldigung

Konkreter wurde der neue Präsident nicht. Er akzeptiere die Herausforderung «mit Demut», vor der Bank lägen eine schwierige Zeit und harte Entscheidungen: «Niemand kann Wunder erwarten.» Zur Zeit laufen auch noch zwei Untersuchungen des CS-Verwaltungsrats zu den Debakeln um Greensill und Archegos mit externer Hilfe. Auch die Finanzmarktaufsicht hat zwei Enforcement-Verfahren diesbezüglich gestartet.

CS-CEO Gottstein drückte sein «tiefstes Bedauern» gegenüber Kunden und Aktionären aus. Er wolle die Bank nun in ruhigere Gewässer führen und freue sich auf die Zusammenarbeit mit Horta-Osório.

Der abtretende Präsident Urs Rohner entschuldigte sich zuletzt für die Krise, in der sich die Bank befindet. Während seiner zehnjährigen Amtszeit hat CS selten für die Aktionäre befriedigende Ergebnisse geliefert. Das spiegelt sich aktuell in einem Aktienkurs wider, der nahe seines historischen Tiefst liegt.

Traktanden stark angepasst

Die Aktionäre stimmten an der GV allen Anträgen des VR zu. Dieser passte Anfang des Monats vor dem Hintergrund der Skandale die Traktanden stark an. Boni wurden gestrichen, die Entlastung des VR von der Tagesordnung genommen und die Dividende gestutzt.

In einer Feuerwehrübung trat am Tag der GV dann auch noch der Risikoverantwortliche im VR, Andreas Gottschling, nicht mehr zu Wiederwahl an. Ihm drohte die Abwahl durch die Aktionäre.

Leser-Kommentare

Ulrich Bollmann 30.04.2021 - 16:54

„Ich entschuldige mich“, sagte Rohner, als ob er das könnte. „Ich bitte Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden, mein Versagen zu entschuldigen“ hätte es, auf den Knien rutschend, heissen müssen. Arroganz bis zur letzten Minute.