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Ein historisches Jahr für Sika

Analyse | Der Bauzulieferer setzt seine Wachstumsstory erfolgreich fort. Die Aktien sind ein Kauf.

Das war ein historisches Jahr für Sika (SIKA 151.65 -0.07%): Seit der ausserordentlichen Generalversammlung von 11. Juni 2018 ist Sika eine echte Publikums­gesellschaft mit einer Einheitsnamen­aktie, ohne bestimmenden Aktionär, ohne Vinkulierung und Opting-out. Der Befreiungsschlag im Streit um den Verkauf der Stimmenmehrheit an Saint-Gobain hatte aber auch seinen Preis.

Aus der Transaktion entstanden zunächst Einmalkosten von gut 23 Mio. Fr., die auf das Ergebnis drücken. Zugleich hat sich das Eigenkapital wegen des Kaufs eigener Aktien rund halbiert und erreichte zum Jahresende noch 26,3% der Bilanzsumme. Aus der Nettoliquidität von 290,2 Mio. Fr. Ende 2017 ist eine Nettoschuld von 2,1 Mrd. Fr. geworden.

Rekorde auf operativer Ebene

Operativ hat Sika 2018 jedoch gewohnt gut gearbeitet und neue Rekordwerte ­realisiert. Der Umsatz wuchs 13,4% auf erstmals über 7 Mrd. Fr. (in Lokalwäh­rungen +13,6%) und übertraf das mittelfristige Zielband von 6 bis 8% deutlich. Zum Umsatzwachstum haben alle Regionen beigetragen.

Die höchste Zuwachsrate realisierte die mit einem Umsatzanteil von knapp 45% grösste Region Emea (Europa, Naher Osten, Afrika) mit 14,1%. Dahinter folgte die Region Americas (+11,7%) und Asien/Pazifik (+5,5%). Der Bereich Global Business, der vor allem die Automobilindustrie ­beliefert, steigerte die Einnahmen 29,2% auf 920 Mio. Fr.

Strategiekonform ist je rund die Hälfte des Umsatzzuwachses auf Akquisitionen und organisches Wachstum zurückzuführen. Sika erwarb im Berichtsjahr vier ­Unternehmen, die zusammen einen ­Umsatz von 398 Mio. Fr. generieren. ­Weiter eröffnete Sika elf neue Werke, mehrheitlich in Emerging Markets, und gründete eine weitere Ländergesellschaft in Honduras. Damit ist das Unternehmen nun in 101 Ländern präsent.

Die Ertragslage konnte mit dem zügigen Umsatzwachstum nicht ganz Schritt halten. Der Ebit wuchs 5,5% auf 945,9 Mio. Fr. und der Umsatz 5,9% auf 687,1 Mio. Fr. Die Ebit-Marge sowie die Umsatzrendite kamen leicht unter Druck. Das ist neben den schon genannten Einmalkosten auf höhere Rohstoffpreise zurückzuführen.

Wie CEO Paul Schuler (SCUN 24.4 -3.94%) an der Bilanz­medienkonferenz ausführte, war Sika mit den seit Jahren höchsten Rohstoffpreisen konfrontiert. Das Management hat wohl versucht, diesen Trend über Erhöhungen der Verkaufspreise aufzufangen. Das gelang allerdings nur beschränkt, die Rohstoffpreise stiegen rascher, als die Verkaufspreise angehoben werden konnten.

Schuler zeigte sich zuversichtlich, dass Sika auch im laufenden Jahr auf Rekordkurs bleibt. Er erwartet ein Umsatzwachstum im Zielband von 6 bis 8%. Die Ertragslage sollte wieder überdurchschnittlich gesteigert werden – der Margendruck des Jahres 2018 dürfte nur vorübergehender Natur gewesen sein. Die Zuversicht spiegelt sich auch in der vom Verwaltungsrat vorgeschlagenen überproportionalen Dividendenerhöhung um 10,8% auf 2.05 Fr.

Strategie bestätigt

Schuler bestätigte die Ziele der Strategie 2020. Neben dem Umsatzziel sind dies eine Ebit-Marge zwischen 14 und 16%, 105 Ländergesellschaften und 30 neue Werke. Zudem soll die Rendite auf dem eingesetzten Kapital über 25% liegen, im Berichtsjahr erreichte sie 26,2%. Die neuen Ziele bis 2023 sollen am Inves­torentag im Oktober dargeleget werden.

Der Ausblick für das laufende Jahr ­versteht sich noch ohne die im Januar ­angekündigte Akquisition des französischen Mörtelproduzenten Parex. Der Prozess ist auf Kurs, die Gewerkschaften legen sich gemäss Schuler nicht quer. Er erwartet das Closing im Verlauf des zweiten oder dritten Quartals. Je nach Zeitpunkt könnte der Umsatz inklusive Parex im laufenden Jahr auf über 8 Mrd. Fr. steigen.

FuW erwartet für 2019 ein Gewinnwachstum von rund 15% auf 5.40 Fr. je ­Aktie. Nach der Publikation des Abschlusses hat die Börse erfreut reagiert und Sika deutlich höher eingestuft. Die Aktien sind auf Basis der Gewinnschätzung 2019 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 ­bewertet. Sika verfügt über sehr gute ­Perspektiven, und die Aktien bieten viel Anlagequalität – sie sind ein Kauf.

An der GV vom 9. April wird es Veränderungen im Verwaltungsrat geben. Ulrich W. Suter tritt nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Der VR schlägt den Niederländer Thierry Vanlancker sowie den Schweizer Victor Balli (Ex-CFO Barry Callebaut (BARN 1841 -0.05%)) vor. Balli sitzt auch im VR von Givaudan (GIVN 2565 0.39%), Ceva Logistics (CEVA 30 0%) und KWS (KWS 60.2 -0.66%) Saat.

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