Markttechnik / A. Cortés

Neuer Zyklus in Goldminen

Der Index NYSE Arca Gold (Gold 1494.09 -0.49%) Bugs ist gemeinsam mit anderen Goldminenindizes stark relativ zu allen Länder-, Sektoren- und Industrieindizes. Wie üblich, steigen die Goldminenaktienindizes viel stärker an als der Goldpreis, so wie sie traditionell auch stärker fallen, wenn der Goldpreis sinkt.

In drei Monaten ist der Index Gold Bugs um 49% gestiegen, der Goldpreis um 19%. Ist das des Guten zu viel? Auf ein paar Tage oder vielleicht auch Wochen ist das zu viel. Doch sehr wahrscheinlich haben der Goldpreis und damit auch Goldminenaktien einen primären Aufwärtstrend begonnen, der wahrscheinlich Jahre anhalten wird.

Viele Schwalben

Die Stärke der Markttechnik liegt darin, dass sie eine breit angelegte Analyse vornehmen kann. Damit versucht sie, die Netzwerke zu finden, in welcher sich Populationen treffen, die trotz unterschiedlicher methodischer Ansätze, wie sie zu ihren Entscheiden kommen, hinsichtlich der Erwartungen künftiger Entwicklungen übereinstimmen. Das wird erreicht, indem Vorlaufindikatoren, die sehr unterschiedlich sein können, zum Einsatz gelangen.

In dieser Industrie sind es seit rund vierzig Jahren die kanadischen, australischen und zum Teil auch US-amerikanischen Goldminenaktien, die zu Kursen unter 10 $ gehandelt werden. Sie sind die Zielobjekte der Cognoscenti des Goldmarktes und jener Goldminen, deren Erfolgsrechnungen am stärksten von den Fluktuationen des Goldpreises betroffen sind. Unter den zwanzig stärksten Titeln des kanadischen Index TSX Composite der letzten drei Monate figurieren achtzehn Goldminen mit Kursgewinnen bis zum Freitag zwischen rund 40 und 130%. Das Bild, das die kanadischen «Goldschwalben» absetzen, wiederholt sich im NYSE Composite und im australischen All Ordinaries (All Ordinaries 6830.5 0.58%) Index. Ihnen folgen die Titel der Grossen, wie zum Beispiel Barrick, deren Zeit nun gekommen ist.

Schwarm ist die Nachricht

Ich suche den Schwarm, der neues entdeckt und unabhängig vom Nachrichtenfluss über mindestens drei Monate durchzieht. Ich will sehen, dass viele Leute an vielen Orten zu vielen Zeiten übereinstimmende Handlungen vornehmen, die sich vom bisherigen Handlungsmuster von sehr vielen Leuten an sehr vielen Orten zu sehr vielen Zeiten unabhängig vom Nachrichtenfluss sehr stark absetzen. Genau das ist in Goldminenaktien geschehen.

An dieser Stelle sind ein paar Gedanken fällig zur Frage, ob man mit der Masse gehen soll oder gegen sie. Meine Antwort lautet: beides, nur nicht gleichzeitig. In seinem Buch «Adaptive Markets: Financial Evolution at the Speed of Thought» geht der MIT-Professor Andrew Lo auf das Buch «The Wisdom of Crowds» von James Surowiecki ein und plädiert dafür, von der Weisheit der Massen zu profitieren, solange die Massen nicht als Mob handeln.

Das tun sie in dieser Phase nicht. Dafür muss sich der Zeitfaktor ändern. Die Übereinstimmung der Erwartungen muss sich über längere Zeit ausdehnen, die Kapitalisierung des Goldminensektors, die derzeit weniger als ein halbes Prozent beträgt, muss anschwellen, und vor allem muss die Kommunikation über die Industrie sich verändern: Sie muss unkritisch sein und sehr hohe Bewertungen verteidigen, wenn es, überspitzt formuliert, keine Argumente dafür gibt.

Der erste, aber nicht der letzte Schritt in einem Bullenmarkt ist getan. Eine Garantie, dass ein frühzeitiger Abbruch aus irgendwelchen Gründen nicht eintritt, gibt es nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus derartigen Konstellationen lange positive Trends ergeben, ist jedoch sehr hoch.

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