Meinungen

Nicht abheben

Wer langfristig anlegt, muss fundamentale Eckpfeiler berücksichtigen. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe

«Nur auf Titel von Unternehmen setzen, mit denen man sich auch in «normalen Zeiten» wohlfühlt.»

Wie man es auch dreht und wendet: Die Aktienmärkte sind hoch bewertet. Als Rechtfertigung ziehen die Aktien-«Bullen» stets zwei Argumente aus der Schublade: Die Notenbanken sind mit ihrer Politik Garanten für anhaltend hohe Aktienkurse, und wegen niedriger Renditen im Obligationenmarkt gibt es einfach keine Alternative zu Aktien.

Genau davon werden die Märk­te derzeit getrieben. Daran ändern auch die etwas volatileren Märkte der vergangenen Tage und Wochen nicht viel. Es ist deshalb durchaus denkbar, dass die Psychologie den Markt noch zwölf Monate oder länger anschiebt.

Doch eines sollte jedem Anleger klar sein: Langfristig haben nur Unternehmen Erfolg, die Gewinn und Cashflow erwirtschaften, deren Geschäftsmodell ausgereift ist und die auch auf lange Sicht wachsen.

 Das Zauberwort lautet: langfristig. Wer die Psychologie der Märkte spielen will, der soll das tun. Wer aber langfristig anlegt, muss fundamentale Eckpfeiler wie die Bewertung eines Unternehmens berücksichtigen. Das Shiller-KGV, eine über zehn Jahre geglättete und inflationsbereinigte Variante des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, zeigt für den US-Markt mit 31 einen beunruhigend hohen Wert. Nur 1929, vor der grossen Depression, und 1997, während der Tech-Bubble, war der Wert höher.

Während es 1929 nicht lange dauerte, bis der Markt einbrach, hielt der Boom nach 1997 noch einige Jahre an. Doch eines hatten beide Phasen gemeinsam: Die Bewertungen pendelten sich über kurz oder lang wieder zwischen 15 und 20 ein. Das wird auch dieses Mal passieren. Deshalb sollten Anleger, die langfristig denken, nur auf Titel von Unternehmen setzen, mit denen man sich auch in «normalen Zeiten» wohlfühlt.

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