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Zum Thema: Appetit auf Aktien steigt, doch IPO bleiben rar

Nicht alle IPO sind das Geld wert

Clifford Padevit und Ruedi Keller
Neue Unternehmen sind in der Beweispflicht. Was zählt, ist die Bewertung.

Die Erinnerung an die letzte Boomzeit von Börsengängen während der Dotcom-Blase wird allmählich schwach. Damals kamen alle IPO gut an. Erstinvestoren, die beim Rohstoffhändler Glencore (GLEN 319.3 -0.73%) eingestiegen sind oder dem Freundenetz Facebook (FB 164.53 0.24%), wissen, dass sich die Zeiten geändert haben. Sie sitzen auf Verlusten von über 30%.

Das heisst nicht, dass IPO unattraktiv geworden sind. Jeremy Whitley, Chef europäische Aktien beim Fondshaus Aberdeen, schaut sich zum Beispiel neue Unternehmen an, ist aber eher skeptisch. «Es gibt Tausende von Unternehmen in Europa, und wir haben daraus etwa vierzig ausgewählt», sagt er. Natürlich werde ein neues Unternehmen sagen, es sei besser als die Konkurrenz. «Ich will, dass es diesen Beweis erst einmal erbringt», sagt Whitley. Das gilt besonders für das Führungsteam. Es müsse zeigen, dass es auch wirklich für die Inhaber, die Aktionäre, arbeite. Bei IPO ist es üblich, dass die Finanzdaten der letzten drei Jahre gezeigt werden, was bei stark wachsenden und konjunkturabhängigen Gesellschaften kurz ist.

Skepsis ist in jedem Fall angebracht, denn diejenigen, die Aktien verkaufen, haben einen Informationsvorsprung. «Wir müssen das Unternehmen kennenlernen und uns mit dem Management austauschen, um die Informationsasymmetrie zu minimieren», sagt Simon Brazier, der beim Fondsmanager Threadneedle Aktien Grossbritannien leitet. Er ist IPO gegenüber offen, denn sie können eine gute Möglichkeit darstellen, Rendite zu erzielen – und dafür sei er ja von den Anlegern angestellt. Vieles hängt dabei aber vom Emissionspreis und von der Bewertung ab. Vergleichbare kotierte Gesellschaften, deren Entwicklung bereits über eine längere Zeit zu beobachten war, verdienen für Brazier eine höhere Bewertung.

Die Bewertung spielt derzeit auch in einem anderen Zusammenhang eine Rolle, wie Daniel Würmli, Portfoliomanager bei Swisscanto, erläutert. Da die derzeitige Börsenhausse durch bloss dünne Handelsvolumen getragen ist, befürchtet er, dass eine grossvolumige Neuemission Preisdruck im entsprechenden Sektor ausüben könnte. Gibt es neue Börsengänge, würde Würmli selbst, der Aktien neuer Emittenten als Möglichkeit zur Portfoliodiversifikation auffasst, gegenwärtig defensiveren Werten den Vorzug geben, die dank eines soliden Geschäftsmodells und eines stabilen Cashflows regelmässig Dividende bezahlen könnten, wie zum Beispiel LEG Immobilien, die im Januar in Deutschland an die Börse gekommen ist.