Meinungen

Nicht tiefer

Warum die SNB die Zinsen am Donnerstag nicht senken sollte. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Ein überhasteter Zinsschritt könnte wirkungslos verpuffen»

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen ­gesenkt. Jetzt sind alle Augen auf die SNB (SNBN 5710 0.18%) gerichtet. Fragt man die Bankiervereinigung, ist sonnenklar, dass negativere Zinsen nicht nur Gift für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche, sondern für die ganze Schweiz ­wären. Herbert Scheidt, Präsident der Bankiervereinigung, sprach am Donnerstag gar von einer langfristigen Gefahr für die Schweizer Volkswirtschaft, falls die Zinsen lange negativ bleiben.

Eine ungemütliche Ausgangslage. Was wird die Schweizerische Nationalbank am Donnerstag entscheiden? Eine FuW-Umfrage auf fuw.ch zeigt, dass über 40% der Abstimmenden von einer Zinssenkung ausgehen. Ein Blick auf die Terminkontrakte legt hingegen den Schluss nahe, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung, die vor Wochenfrist noch als recht hoch einstuft wurde, abnimmt.

Dass die SNB bereit ist, die Zinsen zu senken, hat ihr Chef Thomas Jordan klar gemacht. Um die Folgen abzuschwächen, wird unter anderem eine höhere Freigrenze auf Giroguthaben der Banken ins Spiel gebracht. Doch ist ein Zinsschritt der EZB um schlappe 10 Basispunkte auf –0,5% wirklich ein Grund für die SNB, noch tiefer zu gehen? Soll sie gar von ihrer traditionellen Politik der Zinsschritte um einen Viertel­prozentpunkt abrücken und nur von –0,75 auf –0,85% reduzieren?

Die Antwort ist ein entschiedenes Nein. Die SNB tut gut daran, am ­Donnerstag alles beim Alten zu lassen und einem möglicherweise stärker tendierenden Franken mit Interventionen im Devisenmarkt entgegenzuwirken. Ein überhasteter Zinsschritt könnte wirkungslos verpuffen und würde uns langfristig allen wehtun.

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