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Nicht zu früh einkaufen

Mit ein paar Schritten lässt sich die berufliche Vorsorge deutlich aufbessern.

Das Herz der zweiten Säule ist der Pensionskassenausweis. Diesen erhalten die Versicherten jedes Jahr nach Hause geschickt. Auf dem Ausweis erfährt man, wie hoch das angesparte Altersguthaben ist, welche voraussichtlichen Altersleistungen bei ordentlicher oder frühzeitiger Pensionierung ausbezahlt werden und mit welchem Betrag man sich in die Pensionskasse (PK) einkaufen kann.

«Mit 40 Jahren macht es Sinn, sich einen Überblick zu verschaffen und den Ausweis gründlich anzuschauen», sagt Florian Schubiger von Vermögenspartner. In jenem Alter lässt sich meist das langfristige Einkommen abschätzen. Das bietet auch die Grundlage, um allfällige Anpassungen vorzunehmen.

Wahlpläne beachten

Ein grosses Thema bei den Beratern sind die Einkäufe in die Pensionskasse. Das sind zusätzliche freiwillige Zahlungen, welche die Leistungen im Alter verbessern. Zudem lassen sich so Steuern sparen, weil die Einkäufe vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können.

«Bevor man 50 ist, macht ein PK-Einkauf wenig Sinn», sagt Schubiger. Auf langfristige Sicht lasse sich nicht abschätzen, was mit dem Umwandlungssatz passiere. «Wird dieser gesenkt, wirkt sich das negativ auf die getätigte Einzahlung aus», so Schubiger. Bei einem zu frühen Einkauf droht auch eher die Gefahr, dass man bei einem Arbeitgeberwechsel einer schlechter gestellten Pensionskasse angegliedert wird. «Mit dem Abwarten vergibt man sich keine Chancen», so der Vorsorgeexperte.

Bei Einkäufen muss allerdings eine dreijährige Karenzfrist zwischen Einzahlung und Bezug beachtet werden. Gerade bei unerwarteten Frühpensionierungen kann dies problematisch werden.

Raphael Ebneter vom VZ Vermögenszentrum empfiehlt deshalb, auch die von verschiedenen Kassen angebotenen Wahlpläne anzuschauen. Mit diesen können Versicherte meist höhere Sparbeiträge einzahlen. Je früher man mit den Einzahlungen beginnt, umso höher fällt der Vorteil aus. Zudem entfällt die dreijährige Wartefrist zwischen Einzahlung und Bezug, die beim Einkauf gilt.

Ist das Pensionsalter erreicht, müssen sich die Versicherten zwischen Kapital- und Rentenbezug entscheiden. Eine Frage, die aus Sicht von Ebneter individuell beantwortet werden muss. «Entscheidend ist, wie die gesamte finanzielle Situation aussieht und ob man mit dem bezogenen Kapital sorgfältig umgehen kann.»

Wer beste Gesundheit geniesst und davon ausgehen kann, noch viele Jahre zu leben, fährt meist mit einer Rente besser. Wichtig zu wissen ist auch, was mit dem Vorsorgekapital im Todesfall passiert und an welche Bedingungen die Hinterlassenenrente gebunden ist. «Immer mehr Pensionskassen zahlen neben Witwenrenten auch den freiwillig eingezahlten Betrag als Todesfallkapital aus», sagt Ebneter. Dies muss mit der jeweiligen Kasse geklärt werden.

Zinssenkungen drohen

Grundsätzlich müssen sich Versicherte bewusst sein, dass in der zweiten Säule deutliche Reduktionen drohen. «Wir sind ärmer, als wir denken», sagt UBS-Ökonomin Veronica Weisser. «Die erwartete Rentenhöhe, die im Pensionskassenausweis steht, ist eine illusorische Zahl.» Es sei nicht nachvollziehbar, wie PK- und AHV-Rente künftig finanziert werden sollen.

Dass die Tiefzinsphase die berufliche Vorsorge noch kaum erfasst hat, zeigt der Vergleich mit der Rendite der zehnjährigen Bundesobligationen. In den vergangenen 30 Jahren lag der BVG-Mindestzins nie derart weit über dem Vergleichszins. Dazu kommt, dass heute immer noch relativ hohe Umwandlungssätze finanziert werden müssen.

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