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Eurokurs: Die Entwarnung kam zu früh

Markus Diem Meier

Wegen den Wirren in Italien: Der Euro fällt gegenüber dem Franken wieder. Foto: Tony Gentile

Eben noch sah alles so prächtig aus. Die Länder der Europäischen Währungsunion fanden letztes Jahr wieder zu einem beachtlichen Wachstum zurück. Die Wahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Frühjahr 2017 zerstreute die Ängste vor einem überbordenden Populismus, und zwischen dem vergangenen Sommer und April ist der Preis des Euro von etwas über 1.08 auf 1.20 Franken gestiegen – zurück auf den Kurs also, den die Schweizerische Nationalbank bis zum Januar 2015 verteidigt hat.

Wie sich jetzt zeigt, müssen die Champagnergläser erst mal ungenutzt zurück in den Schrank. Der Eurokurs in Franken notiert wieder deutlich tiefer: heute bei einem Preis von deutlich weniger als 1.15 Franken pro Euro. Noch machen sich die meisten davon betroffenen Unternehmen keine grossen Sorgen, die jüngste Kursentwicklung könnte sich ja auch als vorübergehend erweisen. Darum geht es aber auch nicht. Wichtiger ist die grössere Botschaft.

Alle Probleme sind noch da

Diese lautet: Es gibt nach wie vor keinen Grund, das definitive Ende der Eurokrise zu feiern und damit auch nicht das Ende des Drucks, den die Unruhe um die Gemeinschaftswährung auf den Franken ausübt. Der Umstand, dass die Wirtschaft in der Eurozone in jüngster Zeit besser lief, bedeutet nicht, dass die alten Strukturprobleme angegangen, geschweige denn gelöst wurden.

Auslöser der jüngsten Frankenaufwertung und Ängste um den Euro – auch gegenüber dem Dollar hat er
an Wert eingebüsst – ist die politische Lage in Italien, das mit Bezug auf die Wirtschaftsgrösse drittgrösste Mitglied der Eurozone. Dort haben Parteien die Mehrheit errungen, die das Europrojekt offen kritisieren. Die Regierung können sie nur deshalb nicht bilden, weil ein einst ranghoher Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds als Staatspräsident das verhindert. Die Finanzmärkte beruhigte das. Aber die Entwicklung zeigt das alte Problem: Die Bevölkerungen von Eurostaaten können nicht frei entscheiden, wenn das Europrojekt selbst infrage steht.

Die Lehre für die Schweiz

Und das ist nicht das einzige Problem. Über den französischen Präsidenten wird berichtet, dass er seine Reformpläne für die Eurozone angesichts deutschen Widerstands eingedampft habe. Deutsche Ökonomen wiederum laufen Sturm gegen jede Erweiterung der Bankenunion. Obwohl die schon jetzt bloss Stückwerk geblieben ist. Und dann zeigen sich am Konjunkturhimmel Anzeichen eines Endes des zyklischen Hochs. In Frankreich etwa stieg jüngst die Arbeitslosenquote wieder von 9 auf 9,2 Prozent an.

Aus Sicht der Schweiz gibt es nur eine Lehre: Wir werden noch lange mit einem krisenanfälligen Umfeld leben müssen – und damit auch mit Ausschlägen unserer Währung.