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Blogs / Never Mind the Markets

Der Abstieg Kaliforniens

Tobias Straumann

Die Golden Gate Bridge im Hintergrund führt ins County mit den höchsten Steuereinnahmen: Blick über San Francisco. Foto: Pixabay (Pexels)

Auf den ersten Blick ist in Kalifornien alles bestens. Der US-Bundesstaat am Pazifik hat die grösste Dichte von Top-Universitäten, beherbergt das Silicon Valley und weist eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt auf. Wenn Kalifornien ein Staat wäre, wäre sein BIP so gross wie dasjenige Frankreichs. Frankreich ist die sechstgrösste Volkswirtschaft der Welt. Hier eine Karte, die das BIP der US-Bundesstaaten aufzeigt (Quelle):

Wenn man aber etwas tiefer in die Realität Kaliforniens blickt, sieht es alarmierend aus. So lebt etwa ein Drittel aller Fürsorgeabhängigen der USA in diesem Bundesstaat. Etwa ein Fünftel lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das Bildungssystem ist völlig am Boden. Kalifornien figuriert am Ende der Tabelle, was die Abschlussquote an den High Schools betrifft.

Besonders gravierend ist, dass arm und reich auch geografisch getrennt sind. Die Wohlhabenden leben an der Küste, die armen Leute im Landesinnern, wie die folgende Karte zeigt (Quelle):

Das bedeutet, dass die Gutsituierten gar nichts davon mitbekommen, wie schlecht es Kalifornien geht. Sie leben in einer eigenen Welt und überzeugen sich gegenseitig davon, dass sie nur das Beste wollen. Sie unterstützen auch zu einem überwiegenden Teil die Demokratische Partei. Ausserhalb dieser Zonen hingegen hat Trump gewonnen.

Man spricht vom Calexit

Unter der Küstenelite gibt es viele, die sich von den USA loslösen wollen. Man spricht vom Calexit. Dass es so weit kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Es bräuchte ein Amendment, das von drei Viertel aller Bundesstaaten angenommen werden müsste. Ausserdem wäre es wahrscheinlich, dass sich der Trump-Gürtel von Kalifornien abspalten und als Bundesstaat wieder den USA beitreten würde. Ähnlich wie beim Brexit, wo Schottland über eine Abspaltung nachdenkt, würde also ein Austritt zum nächsten führen.

Der Abstieg Kaliforniens hat wenig mit fehlenden Finanzmitteln zu tun. Im Gegenteil, die Einkommenssteuer ist eine der höchsten in den USA. Es ist vielmehr die sträfliche Vernachlässigung der Bedürfnisse derjenigen, die nicht zu den Privilegierten gehören. Früher war Kalifornien ein Vorbild für die Förderung von Bildung und Infrastruktur. Es war ein Paradies für Mittelschichten. Heute ist es das leider nicht mehr.