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Der Dollar regiert die Welt

Markus Diem Meier

Trotz aller Abgesänge: Die US-Währung hat die Weltwirtschaft weiterhin fest im Griff. (Foto: iStock)

Ab dem nächsten Quartal will die Schweizer Grossbank UBS ihre Unternehmenszahlen nicht mehr in Franken, sondern in Dollar ausweisen. Der Grund: Das Geschäft der Bank ist stark auf die US-Währung ausgerichtet, 60 Prozent davon wird darin generiert. Auch andere Schweizer Konzerne wie Novartis, ABB oder der Versicherer Zürich weisen ihre Zahlen bereits in Dollar aus.

Trotz den immer wieder erfolgenden Abgesängen auf die US-Währung hat diese die Weltwirtschaft weiterhin fest im Griff. So ist sie zum Beispiel nach wie vor die unangefochten dominierende Reservewährung der Welt.

Die Welt handelt in Dollars

Wie die Forschung der frisch erkorenen Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Gita Gopinath, zeigt, ist der Einfluss des Dollars noch weit grösser – beispielsweise bei den internationalen Handelsströmen. Ein Grossteil der grenzüberschreitenden Leistungen und Güterströme wird nicht über die Währungen der beteiligten Länder abgehandelt, sondern in US-Dollar.

Der Anteil der USA Währung bei der Rechnungsstellung im internationalen Handel ist 4,7-mal so gross wie der Anteil der Importe in die USA und er entspricht dem 3,1-fachen des Welthandelsanteils der USA. Der Anteil des Euro entspricht gerade etwa jenem des Euroraums am Welthandel. Der Anteil der meisten anderen Währungen an der Fakturierung gegenüber ihren Handelspartnern ist nahezu null. Auf den Schweizer Franken ist Gopinath in ihrer Forschung nicht eingegangen.

Die Folgen der Dollar-Übermacht

Gemäss gängiger Theorie kann ein Land seinen Wirtschaftsausstoss ausweiten, wenn es ihm gelingt, die eigene Währung gegenüber anderen abzuwerten. Denn dann werden die eigenen Produkte für andere günstiger und die ausländischen relativ teurer. Die Exporte nehmen zu und die Importe nehmen ab.

Diese so eingängige, wie einleuchtende Theorie hat laut Gita Gopinath wegen der Bedeutung des Dollars nur beschränkte Gültigkeit. Anhand umfangreicher Daten zeigt sie: Eine Abwertung des Wechselkurses eines Landes um 1 Prozent gegenüber der Währung eines anderen Landes reduziert den Preis der Exportgüter im gleichen Jahr nur gerade um 0,1 Prozent. Die Exporte nehmen deshalb kaum zu.

Das ist kaum verwunderlich. Denn wenn beide Länder ihren Warenaustausch in Dollar abrechnen, ändert sich am Preis der Exportgüter nichts, auch wenn die Währung des Exportlandes im Vergleich zu jener des Importlandes günstiger wird. Und wenn die Preise in Dollar unverändert bleiben, gibt es auch keinen Grund für eine vermehrte Nachfrage nach den Produkten des Exportlandes.

Die Wirkung aber ist, dass die Margen der exportierenden Unternehmen steigen. Denn für die Dollareinnahmen aus den Exporten erhalten die Firmen mehr Geld gemessen in der abgewerteten inländischen Währung. Ausserdem gehen die Importe zurück, weil sich die Bevölkerung angesichts ihrer schwächeren Währung weniger leisten kann.

Ganz anders sieht das Bild natürlich aus Sicht der USA aus. Allein dank der Bedeutung des Dollars im Welthandel hat die Supermacht einen Einfluss auf den Welthandel, wie kein anderer Staat der Welt. Auch deshalb spricht man in diesem Zusammenhang von einem exorbitanten Privileg.