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Deutschland und Frankreich: Ein ungleiches Paar

Tobias Straumann

Sie signalisieren bei jeder Gelegenheit Harmonie: Angela Merkel und François Hollande. Foto: Etienne Laurent (Keystone)

Als im Mai 2016 die neusten BIP-Zahlen der Eurozone publiziert wurden, ging ein unüberhörbares Aufatmen durch die Reihen der französischen Politiker. Endlich wachsen wir wieder, endlich besteht wieder Aussicht, mit Deutschland gleichzuziehen!

Das französische BIP wuchs um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 1,3 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2015. Das war in der Tat eine ermutigende Zahl. Seltsam aber war die enorm starke Zunahme des privaten Konsums: plus 1,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das musste einen gegenüber der offiziellen Rhetorik misstrauisch machen.

Das Misstrauen war berechtigt. Die neusten Quartalszahlen haben ein ganz anderes Bild ergeben. Das BIP stagnierte, und das Konsumwunder ist bereits wieder vorbei. Ausserdem gingen sowohl die Investitionen wie die Exporte zurück. Die Idee, dass ein breit abgestützter Aufschwung im Gang sei, muss wieder begraben werden.

Weil die deutsche Wirtschaft gleichzeitig um 0,4 Prozent wuchs (gegenüber dem Vorquartal), wird das Ungleichgewicht zwischen den beiden Säulen der europäischen Wirtschaft und der EU immer grösser. Das deutsche BIP pro Kopf ist mittlerweile zehn Prozent höher als das französische – das war nie der Fall seit den 1960er-Jahren!

Das BIP Frankreichs und seine Komponenten

Veränderungen gegenüber Vorquartal (in Prozent)

 

Q3 2015

Q4 2015

Q1 2016

Q2 2016

 

 

BIP

0,4

0,4

0,7

0,0

Importe

1,6

2,6

0,5

-1,3

Konsum private Haushalte

0,5

0,0

1,2

0,0

Konsum Staat

0,3

0,5

0,4

0,4

Investitionen total

0,6

1,1

1,3

-0,4

davon Nicht-Finanzunternehmen

0,4

1,5

2,1

-0,2

davon private Haushalte

-0,2

0,0

0,2

-0,1

davon Staat

2,6

1,5

0,1

-1,7

Exporte

-0,2

0,8

-0,3

-0,3

 

Weil die deutsche Wirtschaft gleichzeitig um 0,4 Prozent wuchs (gegenüber dem Vorquartal), wird das Ungleichgewicht zwischen den beiden Säulen der europäischen Wirtschaft und der EU immer grösser. Das deutsche BIP pro Kopf ist mittlerweile zehn Prozent höher als das französische – das war nie der Fall seit den 1960er-Jahren!

 

Ausserdem nehmen die absoluten Grössenunterschiede zu. Die deutsche Wirtschaft ist mittlerweile um ein Drittel grösser als die französische. Deutschland wird dadurch auch politisch immer stärker. Paris droht zum Seitenwagen Berlins zu werden. Ob das auf die Dauer gut ist für Europa?