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Ein folgenschwerer Abgang beim Währungsfonds

Markus Diem Meier

Das neue IWF-Spitzenduo ist bereits Geschichte: David Lipton ist als Vize der neuen Direktorin Kristalina Georgieva zurückgetreten. Foto: Andrew Harrer (Bloomberg, Getty)

Der Abgang von Vizedirektor David Lipton beim Internationalen Währungsfonds (IWF) hat nicht für die grossen Schlagzeilen gesorgt. Dennoch hat die Personalie Bedeutung. Vielleicht sogar eine grosse. Jetzt droht der IWF verstärkt unter den Einfluss von Donald Trump zu geraten, der von internationalen Organisationen wenig hält. Seit 2019 ist mit David Malpass bereits ein Trump-Vertrauter Präsident der Weltbank. Und mit der Blockade einer Ersatzwahl ins oberste Streitschlichtungsgremium der Welthandelsorganisation (WTO) haben die USA diese Institution lahmgelegt.

Mit Kristalina Georgieva aus Bulgarien als Nachfolgerin der Französin Christine Lagarde ist erstmals eine Vertreterin eines europäischen Schwellenlands auf dem Chefsessel des IWF. Die neue Leitung soll laut Berichten für Liptons Abgang verantwortlich sein. Seit seiner Gründung 1943 in Bretton Woods in den USA leiten die Europäer den Fonds, und die Amerikaner stellen den Vize.

Trotz dieser Rollenverteilung sind es aber die USA, die den Fonds gemessen an den Stimmrechten und der Kapitalausstattung dominieren. Der IWF ist nach wie vor die wichtigste Institution der Globalisierung. Die Organisation hilft nicht nur Ländern mit Zahlungsbilanzproblemen aus und stellt dafür zuweilen harsche Bedingungen. Hier laufen auch alle Daten über internationale Kapitalverbindungen zusammen, und der IWF ist Mahn- und Schlichtungsstelle im Fall von Währungsmanipulationen und weiteren Fehlentwicklungen in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ländern.

Trump bestimmt den Nachfolger

Wegen alldem war der IWF auch das Lieblingsfeindbild aller Globalisierungskritiker. Und der Werdegang von David Lipton eignet sich besonders dafür. Vor dem IWF war er für die Administrationen der den Banken besonders wohlgesinnten demokratischen Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama tätig. Und Lipton stammt selbst aus der Finanzbranche: Wie einst Philipp Hildebrand war er für den Hedgefonds Moore Capital tätig, aber auch für die US-Grossbank Citi.

Freude an Liptons Abgang haben dürfte vor allem der mächtigste aller Globalisierungskritiker: Donald Trump. Er darf den Nachfolger auswählen und kann so deutlich mehr direkten Einfluss auf die Institution nehmen. Die Entwicklung beim Fonds steht für die Schwächung der wichtigsten Institution, die im Chaos globaler Vernetzungen und Konflikte für eine gewisse Ordnung sorgen konnte. Dafür wurde er einst auch gegründet.