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Hildebrand-Speak

Was sagt uns der Chef der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, im Interview mit dem Tages-Anzeiger zu seinen Einschätzungen und Absichten? Die Institution ist immerhin ziemlich in der Klemme: Der Franken legt erneut kräftig zu, doch die Bilanzsumme explodiert vor lauter eingekauften Euros. Die Zentralbanker warnen bereits jetzt vor einer kommenden Inflation, wenn sie ihre Geldpolitik so weiterführen. Wie will Hildebrand mit dem Dilemma fertig werden?

Tagi-Redaktor Robert Mayer fragt:

Ist die Nationalbank angesichts der beträchtlichen Bilanzrisiken überhaupt noch manöverierfähig?

Hildebrand:

Auf jeden Fall! Die Grenzen sind uns da gesetzt, wo eine allfällige zusätzlich expansive Geldpolitik längerfristig Inflation generieren würde.

Typische Notenbankerantwort: Lehrbuchkorrekt und genau so unkonkret. Mayer stellt die Gretchenfrage:

Mal angenommen, der Euro erleidet einen neuen Schwächeanfall, könnten Sie dann noch einmal im gleichen Ausmass wie im vergangenen Mai intervenieren?

Hildebrand weicht erneut aus:

Letztlich ist der Spielraum durch unser gesetzliches Mandat begrenzt. Deshalb ist sehr viel von der konkreten Situation abhängig. Wie steht es um die Wirtschaftslage und die konjunkturellen Aussichten? Und vor allem: Was sagt unsere Inflationsprognose, die der Hauptindikator bei der Bestimmung unserer Geldpolitik ist?

Wieder Allgemeinplätze.  Interviewer Mayer sagt Hildebrand nicht, wie unbrauchbar seine Antwort ist und macht weiter, wie wenn das Gespräch fruchtbar verlaufen würde:

Irgendwann kommt aber doch der Punkt, an dem die Nationalbank im Kampf gegen eine übermässige Aufwertung des Frankens kapitulieren muss.

Hildebrand:

Wir haben den klaren Gesetzesauftrag, für Preisstabilität besorgt zu sein. Dies im Unterschied zu anderen Notenbanken, die verschiedene Ziele vorgegeben haben und wo Konflikte daher eher möglich sind. Wir können an Grenzen stossen, wenn unser Handeln nicht mehr konform ist mit dem gesetzlichen Mandat. Unabhängig davon müssen wir uns im Klaren sein: Wenn Europa in Turbulenzen gerät, werden wir so oder so Kosten und Risiken zu tragen haben. Sei es auf der realwirtschaftlichen Seite, über den Staatshaushalt oder über die Bilanz der Nationalbank.

Na also, geht doch. Diesmal hat der Notenbankchef Klartext gesprochen, nur eben im Notenbanker-Slang. Die Übersetzung: Wenn die Dinge in Europa weiter aus dem Ruder laufen, dann können wir leider nichts mehr tun. Wenn der Franken gegenüber dem Euro weiter zulegt, sind wir ausgeschossen. Denn anders als etwa die US-Zentralbank kümmern wir uns nicht um die Wirtschaftslage – ausser das Preisniveau ändert sich. Und da wir Inflation erwarten, ist es uns nicht erlaubt, noch mehr Franken für Eurokäufe in die Wirtschaft zu pumpen. Leidet die Wirtschaft, könnten höchstens staatliche Ausgaben helfen. Wir haben ohnehin schon genügend Probleme mit den Verlusten auf unseren gigantischen Euroreserven.

Auch auf den Märkten hat man Hildebrand verstanden: Der Franken hat gegenüber dem Euro seit dem Samstag weiter zugelegt.