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Blogs / Never Mind the Markets

In der Schuldenfalle

Tobias Straumann

Spanien leidet noch immer unter den Folgen der Finanzkrise: Protest «Niemand ohne ein Zuhause» in Madrid. (Foto: Reuters/Paul Hanna)

Die Eurozone setzt ihr Wachstum fort. Gemäss Eurostat betrug der Zuwachs ihres BIP im dritten Quartal des laufenden Jahres 0,6 Prozent. Gegenüber dem dritten Quartal 2016 resultierte ein Plus von 2,5 Prozent.

Entsprechend ist auch die Arbeitslosigkeit zurückgegangen. Im September betrug die Arbeitslosenrate 8,9 Prozent. Das entspricht einer substanziellen Verbesserung gegenüber der Rate vom September 2016, die 9,9 Prozent betrug.

Fokussiert man jedoch auf die einzelnen Länder, sieht die Situation weniger rosig aus, wie die folgende Grafik zeigt. In Griechenland und Spanien ist die Arbeitslosigkeit immer noch hoch. Auch Italien hat eine zweistellige Arbeitslosenrate.

Doch immerhin: Es ist endlich Bewegung in den Arbeitsmarkt gekommen. Spanien konnte die Arbeitslosenrate innerhalb eines Jahres von 19,1 auf 16,7 Prozent reduzieren.

Allerdings besteht selbst in Spanien kein Anlass zum Jubel. Entgegen dem allgemeinen Eindruck sind die Treiber des Wachstums weniger die produktiven Exportsektoren als der private und der staatliche Konsum. Entsprechend ist die staatliche Verschuldung konstant bei rund 100 Prozent des BIP geblieben. Im Aufschwung müssten die Schulden reduziert werden. Nur dann kann von einer nachhaltigen Erholung die Rede sein.

Es wäre deshalb falsch zu glauben, nun komme alles gut. Die expansive Geldpolitik der EZB hilft zwar, die Situation vorübergehend zu entspannen. Aber die grundlegenden Probleme bleiben ungelöst. Dies drückt sich in einer fehlenden Entschuldung aus.

Das ist allerdings ein globales Phänomen. Die vielleicht wichtigste Grafik, die das schwere Erbe der Finanzkrise zeigt, stammt aus einem Bericht des McKinsey Global Institute. Sie zeigt, dass die Schulden zwischen 2007 und 2014 stark gestiegen sind.

Nach der grossen Krise der 1930er-Jahre war dies ganz anders. Die Gesamtschulden (Staat, private Unternehmen, private Haushalte und Finanzsektor) wurden global ab 1933 durch Abschreibung, Wachstum und Inflation reduziert.

Nur in den USA haben in jüngster Zeit die Gesamtschulden ein wenig abgenommen. Aber von einer grossen Entschuldung kann auch dort keine Rede sein.

Solange die globalen Schulden so hoch bleiben, dürften auch die Zinsen tief bleiben – es sei denn, die Inflation steigt bald an. Doch davon ist bisher wenig zu spüren. So bleibt die Finanzkrise in wesentlichen Teilen unbewältigt, auch zehn Jahre nach deren Ausbruch.