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Ein Blick in die Dollar-Zukunft

Andreas Neinhaus

Was passiert mit unserer Weltwährung? Lächelnder Benjamin Franklin auf der 100-Dollar-Note. Foto: iStock

Der Kursverlauf des Dollars überrascht wieder einmal viele Währungsanalysten. Sie gingen davon aus, dass die Aufwertung dieses Jahr zu Ende gehen würde. Der Dollar hat sich in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber den wichtigsten Währungen um 10% verteuert. Und der Anstieg geht weiter, obwohl US-Zentralbankchef Powell im Januar die Hoffnung auf immer höhere Dollarzinsen zerstörte. Inzwischen wird an den Märkten sogar über Zinssenkungen spekuliert, was die US-Währung eigentlich schwächen sollte. Aber das Gegenteil ist zu beobachten.

Um den unerklärlichen Wegen des Greenbacks auf die Spur zu kommen, hatte das Devisenresearch der Bank Morgan Stanley vor über zehn Jahren ein hilfreiches Schaubild entworfen: das Dollar-Smile. Währungsökonomen ziehen es dieser Tage wieder öfters zurate.

Quelle: Nordea: FX Weekly

Der Dollar ist die Weltwährung. In 88% aller Devisengeschäfte ist er als Gegenpartei beteiligt. Folglich hängt sein Wert auch davon ab, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt. Das Dollar-Smile erklärt den Zusammenhang.

Szenario 1 – Der Dollar wertet sich ab: Es gehört zu den bekanntesten Fehleinschätzungen, zu erwarten, dass eine bessere Weltkonjunktur die Weltwährung stärkt. Tatsächlich lässt sich das Gegenteil beobachten. Sobald alle Wirtschaftsräume synchron wachsen, investieren Anleger in zahlreiche verschiedene Währungen. Viel Kapital fliesst beispielsweise in Schwellenländer, deren Valuten nachgefragt werden. Der Dollar steht hingegen häufiger auf der Verkaufseite, sein Wert sinkt tendenziell. Wie der Chart zeigt, herrschte dieses Szenario vor allem 2017 vor und schickte den Dollar weltweit auf Talfahrt.

Szenario 2 – Der Dollar wertet sich auf: Dazu kommt es vor allem dann, wenn die USA wirtschaftlich schneller wachsen als der Rest der Welt. Dann fliesst das Kapital der Anleger in die USA, weil die Unternehmen mehr verdienen und die lokalen Aktien besser abschneiden. Aber auch, weil die US-Zentralbank die Zinsen erhöhen dürfte. Das verschafft Geldmarktanlagen in Dollar einen Zinsvorteil gegenüber der übrigen Welt. Dieses Szenario liess sich häufig beobachten, beispielsweise 1999/2000, 2005 und auch letztes Jahr, als die Steuersenkungen der Trump-Regierung Wirkung zeigten. Stephen Jen, der das Dollar-Smile seinerzeit für Morgan Stanley erfand, spricht in diesem Fall vom «greed mode», dem Gier-Modus.

Szenario 3 – Der Dollar wertet sich auf: Positiv aus Sicht von Dollaranlegern ist auch ein drohender Abschwung der Weltwirtschaft. Anleger ziehen dann ihr Geld aus riskanteren Märkten ab, zum Beispiel den Schwellenländern, und legen es in sicheren Wertschriften an. Hierzu zählen in erster Linie US-Zinspapiere. Sie sind reichlich vorhanden, liquide und geniessen eine sehr gute Bonität. Der Dollar ist eine Safe-Haven-Währung und wird in unsicheren Zeiten gesucht. Das ist aus Schweizer Sicht nicht so leicht einzusehen, zumal das Land von einem Mann wie Donald Trump regiert wird.

Nur zur Prognose wenig geeignet

Das Dollar-Lächeln hat sich über die Jahre bewährt. Der einzige Haken: Es eignet sich zwar bestens, um den Kursverlauf des Dollars zu erklären, jedoch weniger, um ihn treffsicher vorherzusagen. Einig sind sich die Beobachter, dass wir uns derzeit im dritten Szenario befinden: Die Weltkonjunktur schwächelt.

Viele Analysten rechneten bislang damit, dass Europas Wirtschaft Fuss fasst und auch in Asien die Wachstumsdelle überwindet. Der Dollar sollte sich 2019 also abwerten (Szenario 2). Europa zeigt aber keine Lebenszeichen. Die Hoffnung hinsichtlich dieser Prognose ruht nun auf Chinas Konjunkturschösslingen, die vereinzelt sichtbar wurden.

Was passiert im Handelskrieg?

Allerdings droht über allem der Handelskrieg zwischen den USA und China. Als Donald Trump vergangenen Sonntag wieder einmal die Anleger verschreckte, weil er überraschend ankündigte, die Importzölle für chinesische Importe zu erhöhen, wäre zu erwarten gewesen, dass sich der Dollar aufwertet. Immerhin schuf er neue Ängste (Szenario 1). Die Währung tendierte diese Woche weltweit aber eher schwächer. Dahinter könnte sich die Überlegung verbergen, dass die Zölle die US Konjunktur abbremsen und die US-Zentralbank sich gezwungen sehen könnte, die Zinsen doch deutlicher zu senken, als bisher angenommen wurde.

Diese Reaktion dürfte sich jedoch nur vorübergehend zeigen. Bald steht der Showdown im Duell zwischen den beiden wichtigsten Akteuren im Welthandel an. Was passiert dann mit dem Dollar? Das Währungsresearch von Bank of America hält sich an das Dollar-Smile:

– Einigen sich beide Länder doch noch, dann werde sich der Dollar abschwächen. Denn nicht nur die USA, sondern auch andere Exportnationen wie der Euroraum würden davon profitieren (Szenario 1).

– Scheitern aber die Verhandlungen, dann werde sich der Dollar umgehend aufwerten, sagen sie voraus und argumentieren im Sinne des dritten Szenarios. Trotzdem bleibe das Risiko, dass die Notenbank die Zinsen senkt und damit dem Dollar die Unterstützung nimmt.

Bricht ein globaler Handelskrieg aus, dann setzen sie jedoch eher auf Altbewährtes: Und das ist immer noch der Franken.