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Warum China in Afrika investiert

Tobias Straumann

Ein Areal von Shanghai Hui Bo Investment im Norden Karthums. Die chinesische Firma baut Eisenbahnschwellen für eine Öltransportroute durch den Sudan. Foto: Mohamed Nureldin Abdallah (Reuters)

Seit einigen Jahren wird das Engagement Chinas auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara (ASS) mit grosser Aufmerksamkeit beobachtet. Die Meinungen könnten nicht unterschiedlicher sein. Die einen glauben, Afrika werde aufs Neue kolonisiert, andere glauben, China leiste bessere Entwicklungshilfe als die westlichen Länder.

Leider fehlt dieser Diskussion aber oft die empirische Grundlage. Eine neue Untersuchung von David Dollar, Heiwai Tang und Wenjie Chen versucht nun etwas mehr Licht in die Sache zu bringen.

Vorbildlich ist: Die Autoren berücksichtigen nicht nur makroökonomische Grössen wie Handelsströme, Investitionen und BIP-Wachstum, sondern auch Firmen-Daten. Die Verbindung von «makro» und «mikro» ist in der Regel am ergiebigsten.

Drei Ergebnisse sind besonders interessant.

  • Erstens ist Afrika für China wichtiger als für die westlichen Länder. Global sind die ausländischen Direktinvestitionen in den USA sechsmal höher als in Afrika, für China hingegen liegen sie etwa gleich hoch (Afrika 26 Milliarden Dollar, USA 22 Milliarden Dollar). China hat Grosses vor.
  • Zweitens verhalten sich die chinesischen Firmen sehr ähnlich wie die westlichen Firmen. Sie konzentrieren sich auf die grossen Länder und die rohstoffreichen Regionen. Die folgende Grafik zeigt die Verteilung der Investitionsprojekte. An der Spitze stehen Nigeria und Südafrika, d. h. zwei grosse Länder mit ertragreichen Rohstoffen (Nigeria: Erdöl; Südafrika: Gold und Diamanten, Platin, Mangan, Vanadium und Chrom).

  • Drittens investieren die chinesischen Firmen in allen Ländern, während die westlichen Firmen sich auf die gut regierten Regionen konzentrieren. Menschenrechte sind den chinesischen Investoren offenbar weniger wichtig als den westlichen. Entscheidend ist für sie die politische Stabilität, nicht der Rechtsstaat.

Nimmt man diese Informationen zusammen, so ergibt sich ein klares Resultat: Die chinesischen Firmen tun in etwa dasselbe wie die westlichen Firmen seit dem späten 19. Jahrhundert. Von einem neuen Zeitalter in der Wirtschaftsgeschichte Afrikas kann deshalb keine Rede sein. Weder die Pessimisten noch die Optimisten haben wirklich recht. Plus ça change, plus c’est la même chose.