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Warum Trump sein Handelsziel verfehlt

Markus Diem Meier

Ob er auf sie hört? Donald Trump und IWF-Chefin Christine Lagarde. (Foto: Neil Hall/Keystone)

Noch immer ziehen sich die Verhandlungen zwischen China und den USA hin. Trotz der stetigen Verlautbarung von US-Präsident Donald Trump, es fehle wenig zu einer Lösung, wird der Termin für sein Treffen mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping immer wieder aufs Neue verschoben.

Schon jetzt ist klar, dass Trump sein wichtigstes Ziel nicht erreichen wird: einen Abbau des Aussenhandelsdefizits der USA. Das wird aus dem Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) deutlich, der heute Dienstag publiziert wird. In dessen viertem Kapitel zeigen IWF-Ökonomen anhand von umfangreichen Datenerhebungen auf, dass Zölle nur einen geringen Einfluss auf Aussenhandelsdefizite oder -überschüsse haben. Die grösste Bedeutung haben «makroökonomische» Faktoren.

Konkret bedeutet das, wenn in den USA zum Beispiel mehr ausgegeben wird, als dort produziert wird, muss die Lücke durch einen Importüberschuss geschlossen werden. Die Folge sind Aussenhandelsdefizite. Eine Steuersenkung, wie sie Donald Trump durchgebracht hat, gibt der inländischen Nachfrage noch mehr Schub, wodurch sich das Defizit weiter vergrössert.

Welche Folgen haben dann Zölle? Sie führen zu einer Umlagerung der Handelsströme. Was die Amerikaner zuvor zum Beispiel aus China eingekauft haben, erwerben sie neu aus anderen Ländern. Am Aussenhandelsdefizit ändert sich dadurch wenig.

Das Wachstum sinkt

Aber das ist nicht alles. Denn Zollerhöhungen reissen Wertschöpfungsketten auseinander: Unternehmen müssen sich angesichts plötzlich ändernder Preisverhältnisse nach neuen Lieferanten umsehen, und der Produktionsprozess muss angepasst werden. Deshalb sinkt einerseits die Produktivität und in der Folge auch das Wachstum der betroffenen Volkswirtschaften.

Aber nicht nur dort, wie der IWF mit Zahlen untermauert, sondern auch in den vom Zollkrieg unbeteiligten Ländern, da sie ebenfalls von der Neustrukturierung der internationalen Arbeitsteilung betroffen sind. Allerdings können einige Unternehmen und Länder auch davon profitieren.

Ein Zahlenbeispiel: Würden die USA und China die Zölle gegenseitig generell auf 25 Prozent erhöhen, würde allein ihr gegenseitiger Handel gemäss IWF um bis zu 30 Prozent einbrechen, langfristig um bis zu 70 Prozent. Die Verluste für die US-Wirtschaft würden sich auf bis zu 0,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts jährlich belaufen, jene von China auf bis zu 1,5 Prozent.

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