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Zwei total verschiedene Währungskrisen

Markus Diem Meier

Produkte aus dem Ausland werden für türkische Konsumenten teurer: Passanten vor einer Wechselstube in Istanbul. Foto: Chris McGrath (Getty Images)

Den Begriff Währungskrise kennen wir in der Schweiz vonseiten einer überteuerten Währung. Die Türkei ist in den vergangenen Tagen in eine Währungskrise der ungleich schlimmeren Art geraten: Wenn die Währung an Wert verliert. Das ist die Sorte Krise, wie sie Entwicklungs- und Schwellenländer besonders gut kennen. Im Vergleich dazu sind die Sorgen der Schweiz mit dem starken Franken Luxusprobleme.

Unterschiede zeigen sich bei den Auswirkungen auf die Bevölkerung, bei den Reaktionsmöglichkeiten der Notenbank und bei den gesamtwirtschaftlichen Folgen:

Zur Wirkung für die Bevölkerung: Der überteuerte Franken ist für viele ein Segen. Güter aus dem Ausland oder mit ausländischen Vorprodukten sind wie Reisen ins Ausland billiger zu haben und Schulden in ausländischen Währungen sinken gemessen am Schweizer Franken. Eine zur Schwäche neigende Währung wie die türkische Lira führt dagegen zu teureren Produkten aus dem Ausland. Das erhöht die Inflation. Zudem steigen mit der schwächeren Währung die (bereits hohen) Schulden in ausländischer Währung.

Damit zu den Möglichkeiten der Notenbank: Ist eine Währung wie der Franken überbewertet, kann die Notenbank mehr davon aus dem Nichts erschaffen und damit fremde Währungen kaufen, bis die Überbewertung endet. Ganz anders die Lage eines Landes mit einer zur Schwäche neigenden Währung. Um die Lira zu stützen, muss die türkische Notenbank  diese gegen Devisen aufkaufen, über die sie als Reserven verfügt. Sind diese Devisenreserven besonders knapp – wie im Fall der Türkei –, stösst die Notenbank rasch an die Grenzen ihrer Einflussmöglichkeit, was einer Einladung an Grossinvestoren wie Hedgefonds gleichkommt, auf eine weitere Abschwächung der Währung zu wetten. Oft erhöhen dann Notenbanken in dieser Lage die Zinsen, um Investitionen in die eigene Währung wieder attraktiv zu machen.

Abschliessend zur gesamtwirtschaftlichen Wirkung: Ein überteuerter Franken stellt trotz der Vorteile für die Konsumenten ein Problem für die Schweizer Wirtschaft dar, weil er die Exporte verteuert und damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen beeinträchtigt. Die Aufwertung hat deshalb Arbeitsplätze gekostet und das Wirtschaftswachstum der Schweiz gebremst. Eine Währungsschwäche wie bei der türkischen Lira steigert zwar die Wettbewerbsfähigkeit der Türkei. Doch die Inflation im Zuge der Krise, die höhere Verschuldung, die höheren Zinsen und die grössere Schwierigkeit, überhaupt noch an Kredite zu kommen, stellen diesen Vorteil in den Schatten.