Meinungen

No Nonsense

Das Schweizer Volk hat wirtschaftspolitisch ungünstige Initiativen angenommen, und mehr dergleichen kommt aufs Tapet. Die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts ist in Gefahr. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Die Schweiz hat Konkurrenz. Die schläft nicht, die heuchelt bloss. »

Das wäre mal ein konstruktives Volksbegehren: «Zum Schutz des Wirtschaftsstandorts Schweiz». Es könnte etwa für Initiativen, die der schweizerischen Wettbewerbsfähigkeit offenkundig schaden würden, ein Ja-Quorum von zwei Dritteln fordern.

Dieser Tage erhalten die Stimmberechtigten das Material zu den drei Vorlagen vom 30. November. Manche Menschen dürften eher dumpfen Unmut ventilieren, statt kühl abzuwägen. Der Appell, der von Auslandsmärkten abhängigen Schweizer Wirtschaft das Leben nicht unnötig zu erschweren, wird nicht überall verfangen.

Die Neigung, Initiativen anzunehmen, ist gestiegen (Minder, Masseneinwanderung). Solche Signale werden registriert, von ansässigen Investoren wie auch von denjenigen, die den Standort Schweiz für eine Ansiedlung prüfen. Auch die mit allerlei Giftpillen – Erbschaftssteuer, Grundeinkommen etc. – überfrachtete Abstimmungspipeline wird wahrgenommen. Das schafft Unsicherheit.

Banal, aber wahr: Die Attraktivität des Standorts Schweiz ist kein Naturgesetz. Sie will gepflegt statt mutwillig scheibchenweise verjubelt werden. Es gibt auch so schon reichlich Schwierigkeiten, mit denen Unternehmen hierzulande zurechtkommen müssen. Doch die politischen Risiken für den Standort werden an den starken Parteipolen verdrängt. Die Rechte lästert über die bilateralen «Verträglein» mit der EU, die Linke  über «Angstmache» der Wirtschaft.

Was in weltvergessener Nabelschau übersehen wird: Die Schweiz hat Konkurrenz. Die schläft nicht, die heuchelt bloss. Das zeigt der Fall der Luxemburger Steuerrulings, Marke Ex-Regierungschef Juncker. Der Sprecher des heutigen EU-Kommissionspräsidenten sagt dazu: «Alle tun alles, um Investitionen anzuziehen.» Die Schweizer sollten wenigstens nichts tun, um Investoren zu verprellen.

Leser-Kommentare

Adecco AG 10.11.2014 - 04:03
Meine Damen und Herren von der Redaktion Ist mir schon klar, dass Ihr eine wirtschaftszeitung betreibt. Aber das Leben an und fuer sich nur auf BIP Wachstum und Investitionen zu beschraenken zeugt doch ehrlich gesagt von einem sehr engen Horizont. Das Leben besteht nun mal nicht von Share Holder Value. Und vor der Annahme der sogenannten schaedlichen Initiativen ist das… Weiterlesen »
Markus Saurer 10.11.2014 - 17:07

Wir müssen doch etwas dafür tun (oder besser gesagt gegen diese unsäglichen Initiativen), dass sich Tinu Anliker auch künftig noch seinen enorm weiten Horizont leisten kann. Ich kann deshalb Manfred Rösch und der FuW nur zustimmen.

Adecco AG 10.11.2014 - 22:04

Vielleicht möchten Sie noch ein paar Argumente liefern? Ist wohl Fehlanzeige, genau gleich wie bei den Argumenten der Gegner im Bundeshaus. Die sind auch sehr schwach… Nein sagen ist leicht gesagt!