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Noch mehr materieller Wohlstand, aber wozu?

Mathias Binswanger

Warum arbeiten Menschen von Tag zu Tag? Über lange Zeit geschah dies wohl einfach deshalb, weil Arbeit für das Überleben notwendig war. Auch galt Arbeit im Christentum und auch in anderen Religionen als gottgefällig. Die Menschen sahen einen Sinn in der Mühsal ihres irdischen Daseins, weil ihre Existenz sich nicht auf dieses beschränkte. Nach dem Diesseits lockte ein ewiges Jenseits als Belohnung, vorzugsweise in Form eines Paradieses.

Doch seit der Aufklärung wurden Gott und das mit ihm assoziierte Jenseits nach und nach aus dem Alltag der Menschen verjagt. «Alle Götter waren unsterblich», schrieb der bekannte polnische Aphoristiker Jerzy Stanislaw Lec. Der Traum vom ewigen Paradies im Jenseits machte der Aussicht auf ein schon im Diesseits verwirklichbares Paradies zu Lebzeiten Platz. Reale Grundlage dieser Aussicht bildete das mit der industriellen Revolution einsetzende Wirtschaftswachstum, welches seither einen immer höheren Wohlstand ermöglichte. Man arbeitete, um das Leben angenehmer zu machen und damit die Kinder es dann später noch besser haben. Und das blieb kein Traum, sondern bewahrheitete sich in vielen Ländern.

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