Märkte / Makro

Noch tiefere Leitzinsen?

Monatliche Zinskurve Schweiz: Das Ziel der Preisstabilität ist suspendiert.

Maxime Botteron, Credit Suisse

Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB (SNBN 5310 1.34%)), den Euromindestkurs von 1.20 Fr./€ aufzugeben, fusste sicherlich nicht auf Fundamentalfaktoren: Weder das Wirtschaftswachstum noch die Inflationserwartungen machten eine geldpolitische Straffung notwendig.

Gemäss den Prognosen der SNB wäre die Inflation 2015 auch mit einem Kurs von 1.20 Fr./€ negativ gewesen und erst in den kommenden Jahren nach und nach gestiegen.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen am Ölmarkt und der tiefen Inflation in Europa hätte die SNB ihre Prognosen wahrscheinlich sogar noch weiter nach unten revidieren müssen. Die Schweizer Wirtschaft wäre auch mit Untergrenze nur langsam gewachsen, und bis 2016 wäre nicht mit einem markanten Rückgang der Arbeitslosigkeit und nur mit äusserst moderaten Lohnsteigerungen zu rechnen gewesen. Ausserdem hat die Überhitzung am Immobilienmarkt nachgelassen.

Nun dürfte das Wachstum durch die Aufgabe des Mindestkurses und die Aufwertung des Frankens erheblich gebremst werden. Überdies wird die Inflation in einen klar negativen Bereich sinken. Die SNB hat also ihre Konjunkturziele vorübergehend ausser Kraft gesetzt. Dies gilt vor allem für ihr Ziel, auf mittlere Sicht für Preisstabilität zu sorgen – mit einer positiven Inflation von unter 2%.

Die SNB will zu flexibleren Wechselkursen übergehen, schliesst aber Deviseninterventionen auch künftig nicht aus. Effektiv dürfte sie versuchen, den Wert eines breiteren Währungskorbs zu stabilisieren. Die Zusammensetzung des Korbs wird sie wohl nicht veröffentlichen. Allerdings dürfte darin das Gewicht des Euros deutlich – von 100 auf etwa 50% – abnehmen, während der Dollar, das britische Pfund und vielleicht noch asiatische Währungen hinzukommen. Anleger sollten sich nicht mehr auf die Euro-Franken-Parität konzentrieren, um  Massnahmen der SNB zu prognostizieren. Denn diese dürfte solche Orientierungsmarken eher kaschieren.

Die SNB ist nach wie vor in der Lage, über Zinsanpassungen und Deviseninterventionen die Wechselkurse zu beeinflussen. Weil sie aber offensichtlich nicht bereit ist, ihre Bilanz substanziell auszuweiten, wird sie die Leitzinsen möglicherweise noch tiefer ins Minus senken müssen. Dieses Risiko ist dann hoch, wenn die US-Notenbank nicht zu einer Straffung übergeht und der Dollar sich nicht weiter aufwertet. Weil der Franken nun deutlich überbewertet ist, sollten allerdings weder weitere substanzielle Zinssenkungen noch umfassende Interventionen erforderlich sein. Der Franken wird sich erst dann nachhaltig stabilisieren, wenn sich die Konjunkturerholung global und in der Eurozone manifestiert.

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