Unternehmen / Technologie

Nokia lebt

Der finnische Handypionier Nokia ist dank seinen Lumia-Smartphones in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im Vergleich zu Apple und Samsung bleibt der einstige Marktführer ein Zwerg.

(Reuters) Überlebenszeichen von Nokia (NOKIA 2.9695 0.13%): Der fast totgesagte Handypionier ist im vierten Quartal dank einer guten Nachfrage nach seinen Lumia-Smartphones in der Handysparte in die Gewinnzone zurückgekehrt. «Wir haben die Erwartungen übertroffen», sagte Nokia-Chef Stephen Elop am Donnerstag. Auch beim Netzwerkbauer Nokia Siemens (SIE 81.34 -0.66%) Networks sei es besser gelaufen. Diese raren positiven Signale nach einer Serie pechschwarzer Nachrichten veranlassten Anleger zu regelrechten Jubelsausbrüchen. Die Nokia-Aktie pendelte sich an der Börse in Helsinki bei einem Plus von mehr als 9% ein, zwischenzeitlich lagen die Aufschläge sogar bei 16%. In den USA kletterten die Scheine gar um rund 16%. Nach dem Absturz der Aktie des einstigen Branchenprimus im vergangenen Jahr gibt es allerdings auch genügend Potenzial nach oben.

Die Finnen kämpfen mit dem ebenfalls in Bedrängnis geratenen Windows-Anbieter Microsoft (MSFT 165.14 0.01%) gegen die schier übermächtige Konkurrenz aus Südkorea und den USA. «Auch wenn dies ausnehmend gute Nachrichten sind, werden Investoren wahrscheinlich vorsichtig bleiben und abwarten, ob Nokia im Wettbewerb mit Samsung (SSU 1018 -0.59%) und Apple (AAPL 267.99 0.72%) diese Leistung in den kommenden Quartalen wiederholen kann», sagte ETX-Capital-Analyst Markus Huber.

4,4 Mio. Lumia-Smartphones gegen 27 Mio. iPhones

Apple und Samsung spielen mit ihren iPhones und Galaxy-Modellen in einer anderen Liga. Allein im nicht ganz so umsatzstarken dritten Quartal wurden 26,9 Mio. Phones verkauft. Samsung lieferte von Oktober bis Dezember schätzungsweise rund 60 Mio. Galaxy-Handys aus, die mit dem erfolgreichen Google-Betriebssystem Android laufen. Dank dieser starken Marktstellung verzeichneten die Koreaner zuletzt mit einem Gewinn von 6,3 Mrd. € ihr fünftes Rekordquartal in Folge. Nokia setzte im Weihnachtsquartal belastet von Lieferengpässen 4,4 Mio. Lumia-Modelle ab. Experten hatten zwischen 5 und 6 Mio. prognostiziert. Elop sagte: «Wir sind mit der Lumia-Nachfrage sehr zufrieden.»

Insgesamt kamen die Finnen auf 6,6 Mio. Smartphones und insgesamt 86,3 Mio. verkaufte Handys im vierten Quartal – dank ihrer traditionell starken Stellung im Geschäft mit günstigeren Handys ohne Alleskönner-Funktionen. Zugleich verbesserte sich die Marge auf bis zu 2%. Bisher hatte Nokia eine negative Rendite von 6% in Aussicht gestellt. Trotz der positiven Entwicklung bleibt der Konzern, der zuletzt Tausende Mitarbeiter entlassen und bei den Kosten die Daumenschraube angezogen hat, fürs erste Quartal skeptisch. Das saisonal schwierige Vierteljahr berge wegen der weltweiten Wirtschaftsschwäche und des starken Wettbewerbs Unsicherheiten. Am 24. Januar gibt Nokia detailliert Einblick ins Weihnachtsgeschäft.

Pakt mit Microsoft macht sich bezahlt

Seit mehr als einem Jahr arbeiten die Finnen mit Microsoft zusammen, die Nokia-Smartphones 820 und 920 verfügen über die Windows-8-Software. Letzteres kann drahtlos aufgeladen werden und verfügt über neue Kameratechnologie. Ein Erfolg ist dringend nötig, die Zahlen im dritten Quartal waren tiefrot. In dem Vierteljahr summierte sich der Fehlbetrag auf 943 Mio. € – das ist mehr als sechsmal so viel wie im Vorjahresquartal. Der Umsatz brach um ein Fünftel auf 7,2 Mrd. € ein.

Das einstige Sorgenkind Nokia Siemens Networks scheint sich derzeit zu einem stabilisierendem Faktor zu entwickeln. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens setzte im vierten Quartal rund 4 Mrd. € um und damit mehr als die Handysparte mit den erwarteten 3,9 Mrd. €.

Leser-Kommentare

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Alexander Ramseyer 17.01.2013 - 11:12
Schade das FuW sich regelmässig zu prozyklischen Kommentaren hinreissen lässt, bzw. die Dynamik im IT Sektor immer wieder verkennt. Wer hätte denn in den 90er Jahren als Apple nur dank eines Microsoft Überbrückungskredits von über USD 150Mio überlebte gedacht, dass dies eine derart lang anhaltende turnaround Story wird. Ich lese seit Mitte der 90iger Jahre FuW und habe vorwiegend gute… Weiterlesen »