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SNB startet Versuch mit Digitalwährung

Die Schweizerische Nationalbank wird zusammen mit der Banque de France in einem Pilotprojekt Kreditgeschäfte zwischen Geschäftsbanken mit digitalem Zentralbankgeld abwickeln.

(Reuters) Die Banque de France und die Schweizerische Nationalbank (SNB (SNBN 5'260.00 0%)) wollen erstmals in Europa grenzüberschreitende Zahlungen mittels Digitalwährungen testen. In einem Pilotprojekt sollen Kreditgeschäfte zwischen Geschäftsbanken mittels digitalem Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency, CBDC) abgewickelt werden, wie die Notenbanken am Donnerstag mitteilten.

Beide untersuchen den Einsatz von Digitalwährungen bereits in eigene Projekten. In der «Jura» getauften Zusammenarbeit soll sie nun erstmals bei grenzüberschreitenden Transaktionen zum Einsatz kommen – vorerst nur zwischen Finanzinstituten. «Die Banque de France ist von den potenziellen Vorteilen einer digitalen Zentralbankwährung überzeugt, die ein Höchstmass an Sicherheit und Effizienz bei Finanztransaktionen bietet», erklärte Sylvie Goulard, stellvertretende Gouverneurin der Banque de France. SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maecheler ergänzte: «Für Zentralbanken ist es entscheidend, bei technologischen Entwicklungen am Puls der Zeit zu bleiben.»

Auf Schweizer Seite werden die Grossbanken UBS (UBSG 15.44 -0.13%) und Credit Suisse (CSGN 9.52 +0.15%) teilnehmen und in Frankreich Natixis. Ebenfalls involviert sind die Beratungsfirma Accenture (ACN 342.23 -0.64%), die zur Schweizer Börse gehörende SIX Digital Exchange, das Fintech-Unternehmen R3 und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Notenbanken beschleunigen Vorarbeiten für Digitalgeld

Beide Zentralbanken betonen den experimentellen Charakter von «Jura» und wollen das Projekt nicht als Hinweis auf eine geplante Ausgabe von CBDC verstanden wissen. Allerdings treiben Währungshüter weltweit die Vorarbeiten zur Ausgabe von Digitalversionen ihrer Währungen immer rascher voran. Angetrieben werden sie von der Sorge, sie könnten die Kontrolle über den Geldkreislauf und die Bezahlsysteme verlieren. Denn potenzielle Rivalen wie etwa die Kryptowährung Bitcoin (Bitcoin 47'620.00 -0.45%) dringen immer tiefer in die Kernmärkte der stärker von den Aussenrändern der Finanzwirtschaft vor und ziehen inzwischen etablierte Grossinvestoren an. Hinzu kommen Projekte wie die Kryptodevise Diem von Facebook (FB 373.06 -0.23%). In einer zunehmend digitalisierten Finanzwelt könnte dadurch die Währungshoheit der Zentralbanken ins Wanken geraten.

Chinas Notenbank hat bereits umfangreiche Testläufe mit einem digitalen Yuan in mehreren Millionenmetropolen gestartet und ist Anfang dieses Jahres einem grenzüberschreitenden Projekt namens «m-CBDC» beigetreten. Die amerikanische Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) lassen sich mehr Zeit: In den USA sollen in den nächsten zwölf Monaten mehrere Pilotprogramme für einen digitalen Dollar starten. Und die EZB lotet die mögliche Einführung eines digitalen Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre aus.