Unternehmen / Gesundheit

Novartis erwarten Fragen zur Gentherapie

Am Donnerstag dürfte der Pharmakonzern gute Zahlen präsentieren. Möglicherweise erhöht er den Ausblick und gibt Hinweise auf den Erfolg neuer Produkte.

Das zweite Quartal sollte für Novartis (NOVN 86.11 -0.17%) ähnlich positiv ausgefallen sein wie der Jahresstart. In den ersten drei Monaten hatte der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode zu konstanten Wechselkursen gerechnet um 7% zugelegt, der Kernbetriebsgewinn gar um 18%. Die Zahlen waren bereits um die Abspaltung von Alcon (ALC 59.23 -0.15%) bereinigt. Absolut betrachtet fallen ohne Alcon sowohl der Umsatz als auch der Gewinn tiefer aus. Gedrückt wurden die effektiven Zahlen zudem durch den starken Dollar.

Das wird auch bei den am Donnerstag publizierten Zahlen für die Periode von April bis Ende Juni der Fall sein. Analysten erwarten, dass es Novartis erneut gelungen ist, den sinkenden Umsatz mit älteren Medikamenten wie Glivec (Krebs) und Gilenya (multiple Sklerose) mit steigenden Verkäufen neuer Produkte mehr als zu kompensieren.

Angetrieben wird das Wachstum durch Cosentix gegen Schuppenflechte und Entresto zur Behandlung von Herzinsuffizienz. Sie legten zuletzt 41 respektive 85% zu. Das Management hatte nach dem ersten Quartal den Ausblick für den operativen Gewinn erhöht und in Aussicht gestellt, auch die Umsatzprognose anzuheben, wenn das Momentum andauert. Zurzeit liegt diese Guidance für den operativen Kerngewinn im hohen einstelligen, für den Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Augenmerk wird am Donnerstag in erster Linie auf dem Ausblick liegen.

2,1-Mio.-$-Therapie im Rampenlicht

In zweiter Linie dürften die Verkäufe der neuen Medikamente interessieren. Neben den erwähnten Cosentyx und Entresto erhoffen sich die Analysten erste Hinweise darauf, wie der Markt die eben erst lancierten Produkte aufnimmt. Mayzent gegen multiple Sklerose ist nun ein ganzes Quartal erhältlich. Piqray gegen eine Form von Brustkrebs und die Gentherapie Zolgensma für Kinder mit dem erblichen Muskelschwund SMA sind aber erst seit rund einem Monat zugelassen. Aussagekräftige Zahlen sind noch nicht zu erwarten.

Dennoch wird sich das Novartis-Management auf zahlreiche Fragen zu Zolgensma gefasst machen müssen. Die neuartige Therapie kann Patienten, denen ein bestimmtes Gen fehlt, eine intakte Kopie davon zuführen. Der Basler Pharmakonzern stand wegen des rekordhohen Preises von 2,1 Mio. $ für eine Behandlung im medialen Rampenlicht und in der Kritik. Es wird interessant sein zu hören, wie die Verhandlungen mit Krankenkassen laufen.

Novartis konnte zwar schon einige Vereinbarungen treffen, gemäss einem Bericht von Bernstein Global Wealth Management haben mehrere Versicherer aber engere Restriktionen verfügt, als es die Zulassung vorsieht. So müssten die Kinder beispielsweise bereits Symptome zeigen. Novartis hingegen will die Therapie so früh wie möglich verabreichen und wirbt für flächendeckende Gentests nach der Geburt.

Spitzenmedizin und Generika

Ein klareres Bild sollte am Donnerstag auch für die Zelltherapie Kymriah und die Nukleartherapie Lutathera erhältlich sein – zwei weitere prominente Vertreter der Konzernstrategie, die auf die Spitzenmedizin abzielt. Bei Kymriah gegen eine schwere Form von Blutkrebs stand ebenfalls der Preis in der Kritik. Er beträgt in der Schweiz bis zu 370’000 Fr. Die Verkäufe hatten zuletzt angezogen, allerdings von einem relativ tiefen Niveau aus. Die Entwicklung kann aber Anhaltspunkte liefern, ob sich die Zukäufe für Milliardenbeträge und die Konzernstrategie im Allgemeinen auszuzahlen beginnen.

Bremsend wird die Generikasparte Sandoz wirken, deren Umsatz zu Beginn des Jahres in Dollar 8% und zu konstanten Wechselkursen immer noch 2% gesunken ist. Der Schrumpfungsprozess wird sich aller Voraussicht nach auch im zweiten Quartal fortgesetzt haben. Die Sparte leidet unter starkem Preisdruck. Ihre Zahlen dürften sich erst im zweiten Halbjahr stabilisieren, wenn der Verkauf von Teilen des US-Geschäfts an die indische Aurobindo abgeschlossen ist.

Novartis sind mittlerweile mit einem für 2019 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 18 auch gegenüber ihren europäischen Branchenkollegen eher hoch bewertet. Das Management um den jungen CEO Vasant Narasimhan hat viele Vorschusslorbeeren erhalten und Erwartungen geweckt. Entsprechend ist auch das Enttäuschungspotenzial gewachsen, für den Fall, dass sich die neuen Produkte doch nicht so gut verkaufen lassen wie erhofft.

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