Unternehmen / Gesundheit

Zelltherapie in grossem Stil

Novartis eröffnet neue Anlage für innovativste Mittel.

Im Beisein von Bundesrat Alain Berset hat Novartis-CEO Vas Narasimhan am Donnerstag das neue Werk für Zell- und Gentherapien im aargauischen Stein offiziell eröffnet. Am dortigen Standort, wo etwa 1800 Mitarbeiter beschäftigt sind, wurde für die kommerzielle Herstellung der neusten Therapien ein eigenes Gebäude errichtet.

Zunächst beschränkt sich die Produktion auf die CAR-T-Zelltherapie Kymriah gegen Formen von Blutkrebs. Dabei werden der Immunabwehr dienende T-Zellen von Patienten entnommen und verändert. Ein unschädlicher Virusbestandteil führt den Abwehrzellen genetische Informationen zu, die es ihnen erlauben, Krebszellen zu erkennen. Die modifizierten T-Zellen werden vermehrt und den Patienten verabreicht.

Kymriah kommt bisher erst zum Einsatz, wenn andere Therapieformen nicht (mehr) wirken. In Studien konnte die an der Uni Pennsylvania entwickelte und 2018 in den USA zugelassene «Wundermedizin» den Krebs bei der Mehrheit der Studienteilnehmer zum Verschwinden bringen. Nach zwei Jahren lebten 62% ohne Rückfall.

Zurzeit werden die Zellen von drei Patienten in Stein aufbereitet. Insgesamt wurden seit August erst sechs Kymriah ausgeliefert. Die kommerzielle Produktion startet Anfang 2020, sobald die Bewilligung vorliegt. Swissmedic hatte bei ihrer Inspektion keine Beanstandungen. Die Herstellung ist aufwendig. Weil nichts schiefgehen darf, sind immer zwei Personen involviert. Novartis (NOVN 92.96 0.19%) hat vor, den Prozess laufend zu optimieren. Einzelne Arbeitsschritte können wahrscheinlich automatisiert werden, erklärte Steffen Lang, der Leiter der Novartis-Produktion, im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft». Sie umfasst weltweit mehr als sechzig Standorte. «Ziel ist es, die Herstelldauer von derzeit 21 Tagen weiter zu verkürzen», sagt Lang.

Eine teilweise Automatisierung dürfte sich aufdrängen. Im Prinzip ist das neue Werk eine ultramoderne Variante einer Manufaktur aus dem 17. Jahrhundert. Novartis-CEO Narasimhan betonte, der Produktionsstart für Kymriah sei der Beginn eines neuen Kapitels. Weitere Zelltherapien dürften in Zukunft hinzukommen. Der Durchbruch im Bereich feste Tumore blieb bisher allerdings aus.

Novartis beschäftigt 185 Mitarbeiter im neuen Werk. 90% waren bereits im Konzern und konnten umgeschult werden. 2018 wurde der Abbau von 1450 Stellen in der Produktion vor allem in Stein und Schweizerhalle angekündigt. Bis 2022 könnten nun bis zu 450 Personen für die Zelltherapie arbeiten.

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