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Studie: Novartis setzt mit Gentherapie Massstäbe

Die Behandlung der Muskelkrankheit SMA könnte durch Novartis günstiger sein als durch andere Unternehmen, urteilt das unabhängige US-Institut ICER.

(AWP) Novartis (NOVN 83.72 0.95%) hat mit ihrer Genersatz-Therapie Zolgensma (ehemals AVXS-101) in der Behandlung der erblich bedingten Muskelkrankheit SMA neue Massstäbe gesetzt. Zu diesem Schluss kommt das unabhängige Institute for Clinical and Economic Review (ICER) aus Boston in einem aktuellen Report.

Wichtiger noch für den Basler Pharmakonzern: Nach Ansicht der Experten dürfte sich Zolgensma gegenüber dem bereits seit 2016 zugelassenen Spinraza von Biogen (BIIB 230.76 0.65%) als kosteneffektiver erweisen. Dies ging aus dem Report hervor, den ICER in der Nacht auf Freitag veröffentlicht hat.

Zu den Bewertungsansätzen der Experten zählt auch eine Grössenordnung, die sie als QALY bezeichnen. Dies steht für «Quality Adjusted Life Year». Mit dieser Messgrösse sollen die behandlungsbedingten Verbesserungen in der Lebensqualität den möglichen Kosten einer Therapie gegenübergestellt werden. Angesichts der zunehmenden Diskussionen über die Preisgestaltung von Gesundheitskonzernen gewinnen Institute wie ICER an Bedeutung.

Für das Biogen-Mittel errechnen die Experten Kosten von 728’000 $ pro QALY, also qualitätsangepasstem Lebensjahr. Das heisst, dass das Gesundheitssystem damit jährlich um diesen Betrag entlastet wird. In den USA ist Biogen derzeit das einzige zugelassene Medikament zur Behandlung dieser seltenen Erkrankung, die zu Lähmungen, Atemnot und Tod führen kann.

Im ersten Jahr der Anwendung kostet Spinraza 750’000 $, danach jährlich 375’000 $. Mit diesem Mittel wird das Fortschreiten der Krankheit bei einigen Patienten verlangsamt, geheilt werden sie aber nicht.

Novartis zielt auf Heilung ab

Novartis wiederum zielt mit seiner Genersatz-Therapie auf eine Heilung der Patienten ab. Derzeit wird der Zulassungsantrag von der US-Gesundheitsbehörde FDA beschleunigt bearbeitet. Ihre Entscheidung wird sie voraussichtlich im Mai kommenden Jahres mitteilen. Darüber hinaus hat sie dem Kandidaten den Status Therapiedurchbruch erteilt.

Wie die ICER-Experten weiter schrieben, schätzen sie die Kosten von Zolgensma auf 240’000 $ je QALY. Allerdings haben die Experten einen deutlich niedrigen Verkaufspreis für die einmalige Therapie angesetzt. Sie schätzen diesen auf 2 Mio. $.

Novartis wiederum schreibt in einer ersten Stellungnahme, die auch AWP vorliegt, dass sie Zolgensma eher im Bereich der ultra-seltenen Krankheiten platzieren würde. Dies würde zu einem Preis von 4 bis 5 Mio. $ führen. Man sei ermutigt, dass ICER in seinem Entwurf zum Evidenzbericht «die erhebliche medizinische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Belastung dieser sehr anfälligen Bevölkerung sowie den Wert und den potenziellen Nutzen anerkennt, den eine einmalige Genersatztherapie für ein Kind mit SMA bieten kann.»

Weiter erklärt der Pharmakonzern, dass die Einführung einmaliger Gentherapien ein Umdenken darüber erfordere, wie die Gesundheitssysteme künftig Diagnose, Behandlung, Pflege und damit verbundene Kosten für Patienten mit ultra-reinen Krankheiten steuern.

Die komplette Historie zu Novartis finden Sie hier. »

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