Da treffen zwei «Böse» aufeinander, kundig beäugt vom Kampfrichter und vom Publikum. Sägemehl ist nicht nötig im sandigen Sudan. Wie ihre Griffe, Kniffe und Schwünge heissen, wäre Gegenstand einer ethnografischen Exkursion – vielleicht Kordofani statt Brienzer? Im Bundesstaat Südkordofan ist das Volk der Nuba zu Hause. Ringkämpfe sind ein fester Bestandteil der Nuba-Kultur, und die Turniere – die regelmässig am Freitagabend und mittlerweile im ganzen Land veranstaltet werden – sind in jüngerer Zeit offenbar über den Stamm hinaus äusserst populär geworden. Just wie das Schwingen in der Schweiz. Die Kämpfer im Sudan (Turner? Sennen?) gehen freilich noch einiges urtümlicher zu Werke als die eidgenössischen Quasi-Profis. Einst rangen die Nuba-Recken in der freien Savanne sogar noch wie Gott sie schuf miteinander (des «Führers» Filmerin, Leni Riefen-stahl, fotografierte das in den 1970er-Jahren ausgiebig). Heute und hier, in der Hauptstadt Khartum, geht das natürlich nicht. Vom durchorganisierten Big Business à la Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest, wie es am Wochenende in Zug stattfinden wird, ist das afrikanische Raufen dennoch Welten entfernt. Nicht zu seinem Nachteil. (Bild: Fabian von Poser/Keystone)