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Nun fliessen Millionengelder ins Crowdlending

Kreditvermittlungsplattformen geraten ins Visier institutioneller Investoren. Immer mehr Anlageprodukte kommen auf den Markt.

Seit heute gibt es eine Möglichkeit mehr, in Unternehmenskredite zu investieren, die von privater Seite finanziert werden. Das heisst: Es gäbe sie, wenn nicht die Bank Julius Bär (BAER 44.14 4.5%) das gesamte Emissionsvolumen aufgekauft hätte.

Lendity, gemäss eigenen Angaben Spezialist für Investmentlösungen in Alternative Lending und im Private-Debt-Bereich, gibt eine Obligation heraus, mit der Anleger unter anderem in KMU- und Konsumkredite von verschiedenen Crowdlending-Plattformen investieren können.

Keine Details zur Emission bekannt

Weitere ähnliche Obligationen in Franken und US-Dollar sollen laut Rafael Karamanian, einem der Gründer von Lendity, in den kommenden Monaten auf den Markt kommen. Qualifizierte Investoren werden dann die Gelegenheit zum Einstieg haben.

Weil Julius Bär den gesamten Bond für sich beansprucht, werden wenig Details über die finanziellen Eckdaten offengelegt. Weder das Volumen noch der Coupon sind bekannt. Einzig die Laufzeit von fünf Jahren, die allerdings rollierend verlängert werden kann, ist publik. Es ist davon auszugehen, dass sich das Volumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich bewegt.

Immer mehr Anlageprodukte auf Crowdlending-Kredite

Bereits in den vergangenen Monaten sind mehrere Anlageprodukte auf den Markt gekommen, die verbriefte Crowdlending-Kreditforderungen enthalten. So bietet 1741 Fund Solution – die ehemalige Raiffeisen-Tochter Vescore – je einen Fonds auf Crowdlending-Kredite der Plattformen Lend und Creditgate24 an.

Im vergangenen November lancierte der Finanzdienstleister Leonteq (LEON 30.62 5.37%) in Zusammenarbeit mit Creditgate 24 ebenfalls eine Obligation, die an professionelle Anleger vertrieben wird. Die Laufzeit beträgt drei Jahre, der Coupon liegt bei 4%, das maximale Emmissionsvolumen bei 50 Mio. Fr.

Im Januar hat Creditworld – eine weitere Kreditvermittlungsplattform – die Zusammenarbeit mit der Zuger Vicenda Asset Management bekannt gegeben. Letztere wurde vom Sohn des bekannten Investors Felix Zulauf gegründet. Ihr Ziel ist es, 1oo Mio. Fr. von institutionellen Investoren in den Firmenkreditmarkt zu pumpen. Rund die Hälfte konnte bereits unter anderem bei Pensionskassen gesammelt werden.

Mit dieser Häufung von Anlageprodukten wird der Crowdlending-Sektor im laufenden Jahr neue Geldzuflussrekorde erzielen. 2016 hatte das Volumen gemäss einer Studie des IFZ Zug der Hochschule Luzern 28 Mio. Fr. betragen. 2017 dürfte es sich vervielfacht haben. Die exakten Zahlen für das vergangene Jahr sind noch nicht publiziert worden. Zum Vergleich: Kreditbanken haben Forderungen in der Höhe von 295 Mrd. Fr. ausstehend.

Unter Crowdlending versteht man die Kreditvergabe unter Ausklammerung von Banken. Plattformen führen Kreditnehmer und -geber zusammen, wobei die Gesuche wie bei Kreditbanken nach strengen Kriterien geprüft werden.

Sinnvolle Diversifikation

Der jüngste Vorstoss, der Anlegern ermöglicht, über einen Bond in Kredite von verschiedenen Anbietern zu investieren, ist bislang einzigartig. Allerdings ist die Auswahl derzeit noch beschränkt. Dem Vernehmen nach machen erst drei bis fünf Plattformen mit.

Andere Anbieter warten mit der Zusammenarbeit mit Lendity noch ab. «Wir sind vorerst noch an der Seitenlinie und wollen schauen, wie es sich entwickelt», sagt Alwin Meyer, Gründer der KMU-Kreditplattform Swisspeers. Er weist darauf hin, dass neben den Obligationenemissionen von Lendity noch weitere spannende Anlageprojekte in Planung seien.

Die Idee von Lendity, die Risiken über die Kreditplattformen hinweg zu diversifzieren, mache durchaus Sinn, sagt Meyer. Er sieht aber auch Gefahren, wenn plötzlich Millionen an Investorengeldern ins Crowdlending fliessen. «Es bringt die Crowdlending-Plattformen unter Zugzwang, genügend Kreditprojekte im Angebot zu haben», so Meyer. Zum Vergleich: Swisspeers vermittelt je Kreditprojekt ein durchschnittliches Volumen von rund 150’000 Fr.

Dass sich Julius Bär die erste Bond-Emission geschnappt hat, ist übrigens kaum ein Zufall. Lendity wurde im Herbst 2016 ins Förderprogramm des Zürcher Fintech-Accelerators F10 aufgenommen, der von der SIX-Gruppe geführt wird.

Einer der Hauptsponsoren dieser Fintech-Brutstätte: die Bank Julius Bär.

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