Märkte / Makro

Nur die Spitze des Eisbergs

Offizielle Zahlen zur Staatsverschuldung beschönigen die teilweise dramatische Schieflage der öffentlichen Finanzen.

Wäre ein Unternehmen überlebensfähig, das seiner Bank bei der Aushandlung eines Kredits zwei Drittel der bereits bestehenden Verbindlichkeiten verschweigt? Staaten können sich dies offensichtlich erlauben. Privatwirtschaftliche Unternehmen müssen strenge Bilanzrichtlinien erfüllen und allfällige, künftige Verbindlichkeiten gemäss getreuer Buchführung ausweisen. Staaten wiederum können am Kapitalmarkt Neugeld – teilweise zu Negativzinsen – aufnehmen, ohne alle bereits eingegangenen Verpflichtungen auszuweisen.

So intensiv die Staatsschuldenproblematik im Nachgang zur Finanzkrise auch thematisiert wurde, fokussierten sich doch fast alle Betrachtungen auf die riesigen Schuldenberge, welche sich durch vergangene Defizite aufgehäuft hatten. Die Zahlen zu den Schuldenquoten, ob sie nun in absoluten Grössen oder in Relation zum Bruttoinlandprodukt (BIP) ausgewiesen werden, sind aber maximal die halbe Geschichte. Dies sind die expliziten Schulden, welche verbrieft und statistisch erfasst werden. Sie bestehen aus angehäuften Schulden der Vergangenheit und dem laufenden Defizit. In vielen europäischen Ländern sind die expliziten Schulden aber nur die Spitze des Eisbergs. Die implizite Verschuldung der öffentlichen Hand kann um ein Mehrfaches höher sein und schlummert als grosse Gefahr unterhalb der Wasseroberfläche.

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