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Nur eine hält noch durch

Nach dem Kurswechsel in Japan ist die US-Notenbank die letzte unter den Grossen, die noch eine Straffung der Geldpolitik verfolgt. Das könnte die Währungshüter zu einem vorzeitigen Abbruch ihres Kurses bewegen, schreibt FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Der Kurswechsel in Japan lässt vor allem die Kollegen in den USA im Regen stehen.»

Die Minuszinspolitik ist zu Europas grösstem Exportschlager geworden. Am Freitag hat die japanische Zentralbank den Leitzins für bei ihr hinterlegte Bankeinlagen um 0,2 Prozentpunkte auf –0,1% gesenkt. Japan ist damit das erste aussereuropäische Land, das Negativzinsen einführt.

In der Eurozone, in Schweden, Dänemark und der Schweiz produzierte die Minuszinspolitik keine grösseren Kollateralschäden. Dafür erwies sie sich als erstaunlich effektiv, um die eigene Währung zu schwächen. Diese Erkenntnis bewog nun die Notenbank in Tokio, ihr Zögern aufzugeben und in die neue Zinsära einzutauchen.

Der Yen hat sich umgehend abgewertet. Besonders begrüssen die Märkte den Hinweis, dass der Leitzins noch tiefer gesenkt werden dürfte. Die EZB hatte anfangs noch den Fehler begangen, zu sagen, der Boden sei nun erreicht. Sie wollte Kritiker beruhigen. Erst als sie die Bemerkung widerrief, erzielte sie die gewünschten Effekte. Notenbanken müssen offensichtlich immer forscher auftreten, um überhaupt noch etwas zu bewegen.

Der Kurswechsel in Japan lässt vor allem die Kollegen in den USA im Regen stehen. Sie hatten sich im Dezember endlich dazu durchgerungen, die Leitzinsen schrittweise zu erhöhen. Nun, da die Briten eine Zinswende immer mehr hinausschieben und in Euroland und Japan weitere Lockerungen anstehen, ist die US-Notenbank die letzte unter den Grossen, die noch vom Vorteil positiver Zinsen für die Wirtschaft überzeugt ist.

Der Dollar nimmt damit eine Sonderrolle ein und dürfte sich zusätzlich aufwerten. Das kommt einer Straffung der monetären Rahmenbedingungen gleich und könnte am Ende die US-Notenbank davon überzeugen, die eben erst begonnene Zinswende vorzeitig abzubrechen.

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