Meinungen

Nur wer sät, kann ernten

Statt Aktien zurückzukaufen, sollten Unternehmen investieren. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Clifford Padevit.

«Investitionen zurückzustellen, ist völlig falsch, denn es geht um Wachstum, und das gibt es nicht gratis.»

Was soll man nur mit dem vielen Geld anfangen! Während Private in den vergangenen Jahren auf der Suche nach etwas Rendite in immer risikoreichere Anlagen investiert haben, stellt sich für Unternehmen die Frage anders. Es geht um die Abwägung, ob das erwirtschaftete Cash investiert wird, um die Produktionsmittel zu erneuern oder die Kapazität auszubauen, oder ob das Geld doch lieber den Aktionären zurückgegeben werden soll – in Form von höheren Dividenden oder Aktienrückkäufen.

In den USA haben zumindest die Unternehmen im breit gefassten S&P-500-Index ihre Wahl getroffen. Die fiskalischen Anreize der Steuerreform der Regierung Trump haben dazu geführt, dass primär die kurzfristige Option gewählt wurde. 2018 dürfte erstmals seit zwanzig Jahren mehr Geld in Aktienrückkäufe fliessen als in Investitionen. Selbst der Starinvestor Warren Buffett hat im dritten Quartal für 1 Mrd. $ Aktien zurückgekauft. Gerade Buffett weiss, dass dadurch buchhalterisch der Gewinn je Aktie steigt.

Seit der Finanzkrise sind Unternehmen global gesehen zurückhaltend mit längerfristigen Ausgaben. Stets wird auf die Unsicherheit verwiesen, im Moment eignet sich der Handelskrieg als Ausrede. Doch Investitionen zurückzustellen, ist völlig falsch, denn es geht um Wachstum, und das gibt es nicht gratis. Gerade am Ende eines Konjunkturzyklus sollten die Anlageinvestitionen steigen, denn Maschinen müssen irgendwann ersetzt werden. Derzeit zwingt die Digitalisierung Unternehmen zudem dazu, ihr Geschäft für die Zukunft bereitzumachen. Es gibt also gute Gründe, die Investitionen zu erhöhen, und sei es zulasten von Aktienrückkäufen. Viel Cash ist daher kein Luxusproblem, sondern eine Verpflichtung.

 

Leser-Kommentare