Meinungen

Obélix chez les Belges

Der Filmstar Gérard Depardieu flieht vor dem französischen Fiskus. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Das System des Privateigentums ist die wichtigste Garantie der Freiheit.»

Gérard Depardieu spielt die Rolle seines Lebens: Sozusagen als «Rebel With a Cause». Er hat genug von den Nachstellungen des masslos raffgierigen französischen Steuerstaats. Der Kino-Komödiant ist ins grenznahe wallonische Nest Néchin geflohen – nicht so malerisch wie Nyon oder Nendaz, doch wecken wir bloss keine schlafenden Hunde…

Die hohe bzw. hoch verschuldete Pariser Politik hielt es für angebracht, Depardieus Wegzug als unpatriotisch/-solidarisch zu geisseln (en passant: solche Durchhalteparolen kommen gewöhnlich kurz vor der bedingungslosen Kapitulation in Mode). Der Angegriffene geriet derart in Rage, dass er die Staatsbürgerschaft wechseln will; er kennt keine Franzosen mehr, nur noch Belgier.

Ihm zu Ehren müsste vor dem Élysée-Palast ein Obelisk errichtet werden. Depardieu glänzte unter anderem in der Rolle des treu-doofen Galliers Obelix, an der Seite des gewitzten Asterix beugte der unter anderem jeglicher Tributpflicht gegenüber Rom schlagkräftig vor; nun hat der Schauspieler in seiner alten Heimat eine überfällige Debatte in Gang gebracht – Debatte, weil eben längst nicht alle Franzosen es so sehen wie die Regierung, sondern viele wie Depardieu.

Dieser hat nicht bloss eine bewegte  Lichtspiel-Laufbahn vorzuweisen, sondern gehört zu der im «Hexagone» von Amtes wegen bedrohten Gattung der Unternehmer. So ist er auch Winzer und für seine eigenen Kreszenzen soll er, die Berufsehre will’s, mitunter Leib und Leber aufs Spiel setzen. Gleichviel; Depardieu behauptet, bis dato seiner teuren Heimat 145 Mio. € an Steuern abgeliefert haben. Nun aber gelte: Trop c’est trop.

Und weil er eben der Volksheld Depardieu ist und nicht bloss einer der nach Hunderttausenden zählenden exilierten Hommes d’affaires in Londres-sur-Tamise, braust sein Weckruf wie Donnerhall. Etwa so, als ob der all-eidgenössische Nationalkabarettist a. D. Emil sein wohlerworben’ Hab und Gut nach, nun ja, zum Beispiel Güldenwerth (in Nordrhein-Westfalen) rettete.

Dabei geht es um mehr als allein um den schnöden Mammon, denn das System des Privateigentums ist die wichtigste Garantie für die Freiheit, wusste schon der liberale Denker Friedrich August von Hayek. Der ist freilich im europäischen Establishment wenig populär, im französischen erst recht.

Wo hingegen Eigentum «legal» entwendet wird – in Frankreich mit dem von der sozialistischen Regierung verfügten Grenzsteuersatz von 75% ab einer Million Euro Einkommen offenkundig der Fall –, ist die Freiheit selbst in Gefahr. Schikanöse Sätze, Abschaffung jeder Datendiskretion, internationale Fiskuskartelle, «Harmonisierung» statt Wettbewerb, Drangsalieren von «Steueroasen»: Das führt in eine neue Form von Leibeigenschaft.

Gegen derlei pflegte Freiheitsfreund Obelix, dem das Gallien von heute römisch vorkäme, die Faust zu ballen.